Freitag, 5. Juni 2026

Ofoten - Lofoten

Von den Ofoten (meiner Heimat) zu den bekannten Lofoten ist es nicht weit - in 30 min fährt man über die Tjeldsundbrücke auf die größte der Lofoten-Inseln, Hæmarøy. Ziel für heute ist Moskenes, am südlichen Ende der Inselgruppe.

9:45 - es kann losgehen! Oder doch nicht? Ein Handy-Ladekabel lädt nicht. Na ja, ich hab ja noch eines dabei. Raus aus der Garage, der Stecker vom zweiten Ladekabel bricht ab. Das geht ja gut los!

Herrliches Wetter, 20 Grad, nur ein dünner Pullover unter der Jacke. Allerdings habe ich auch die Regenjacke an, die schützt vor Wind und Kälte und am Nachmittag / Abend ist evt. leichter Regen angesagt. Im Rückblick ist das der perfekte Dresscode.
Zum Einstieg nehmen wir den Meldalsvei über Tårstad, das ist eine Schotterstraße. Heute ist hier sehr viel Fußvolk unterwegs, das Militär veranstaltet anscheinend einen Marathon mit schweren Rucksäcken. Arme Jungs und Mädels.

Von den Ofoten zum "L" (Lofoten) ist es nur eine halbe Stunde. Mehr oder weniger freiwillig zockeln wir dann mit 50 bis 60 km/h die Fjorde entlang. Ein erster großer Abschnitt besteht fast nur aus Baustelle, denn hier wird seit einiger Zeit schon der Hålogalandvei gebaut, der 2028 fertig werden soll. Das wird die Touristen-Rennstrecke auf die Lofoten. Ein bisschen graust mir davor - hoffentlich bleiben die alten, kurvigen Straßen bestehen. Hier zieht die Lisl sicher und sauber ihre Linie durch alle Biegungen. Perfekt.
Der erste von vielen Tunneln, die uns diese phantastische Landschaft vorenthalten, ist 6,5 km lang. Die dort herrschenden 16 Grad lassen mich frösteln. Es herrscht reger Verkehr, aber noch müssen wir kaum in einer Schlange fahren. Alledings können wir darum und mangels passender Ausweichstellen selten einen Fotostopp einlegen. So kann ich die Schönheit der krassen Berggipfel, der türkisblauen Fjorde, weißen Sandstrände und hier und da aus dem Wasser lugenden felsigen Nadelspitzen oder Kugelköpfe nur mit den Augen inhalieren. Ja, meditieren auf der Lisl während der schaukelnden Fahrt ist möglich.

Gegen Mittag kommt ein Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Meine Navigations-App findet gelegentlich ein herrlich kurviges, abgelegenes kleines Sträßchen, Schneefelder an den steilen Berghängen reichen mancherorts noch fast bis ins Tal. Wir möchten in Moskenes gerne die Fähre nach Bodø nehmen, eine 3 1/4 h Tour. Leider habe ich sehr spät nach dem Fahrplan geschaut und festgestellt, daß wir sie nur mit Müh und Not noch erwischen können. Das nächste Schiff geht erst 4 h später und erreicht Bodø gegen Mitternacht. Ungüstig. Ich möchte diesmal gerne am Saltstraumen übernachten, der etwa 30 min von der Stadt entfernt liegt. Aber wir liegen gut in der Zeit, vielleicht erreichen wir das Boot doch noch? Straßensperre! 30 km vor Moskenes. Der nächste, große Tunnel ist gerade eine Baustelle, er darf nur mit einem Follow me passiert werden. Nächste Durchfahrt ist in einer Stunde, sagt mir der Straßenwächter. Immerhin habe ich jetzt Zeit für eine kleine Pause, ein Vesper und die Entwicklung eines Plan B. In Moskenes übernachten? Dann muss ich um 8 Uhr früh an der Fähre sein! Mag ich nicht. Oder die späte Tour machen? Das wäre machbar, denn ich bin ja eine Nachteule und wir haben Mitternachtsonne. Im Tunnel ist es stockdunkel und klatschnaß. Die Straße ist mit Schlgalöchern gespickt. Blind folgen wir dem Leitfahrzeug.
Als es endlich losgeht, sagt mein Navi, daß wir das Schiff um ca. 20 min verpassen. Ich halte Ausschau auf's Meer, ob ich es irgendwo schon sichten kann, aber nein. Als wir um die letzte Ecke biegen, liegt es da noch im Hafen! Ob es wohl gewartet hat? Motorräder finden immer einen Platz - auch ohne gebuchtes Ticket. Ich muss nur meinen Namen und Geburtsdatum nennen, alles andere macht wohl irgendein Computer. Bis jetzt hab ich nichts bezahlt. Kaum ist die Lisl vertäut, schließt sich auch schon die Ladeluke und es geht los - das war Glück!

Während der Überfahrt wird es immer trüber, bis es schließlich in Strömen regnet. Sobald sich die Türen zum Parkdeck öffnen, eile ich, um die Regenklamotten auszupacken. Glücklicherweise hat es bei der Ankunft in Bodø fast aufgehört zu regnen, nur die Straße ist noch nass. Von hier aus sind es nur noch 30 km bis zu meinem geplanten  Übernachtungsplatz am berühmten Saltstraumen.

Ach ja, heute abend ist ja das "britische Quiz" - ein Onlinemeeting mit Wayne und seinen Freunden und Familie. Ich bin noch unterwegs und kann darum zwar nicht mitraten, aber ich kann mich einwählen und das Team kann über die Kamera mitfahren und mich beim Zeltaufbau beobachten.





Und hier die Strecke: