Samstag, 6. Juni 2026

Brücken, Tunnel, Fähren

Die regenreiche Nacht hab ich im Etappenschlaf verbracht, während sich die Lisl vielleicht über eine Dusche gefreut hat? Auf jeden Fall scheint am Morgen die Sonne und das Zelt ist bereits fast trocken. Ganz genmütlich und genußvoll laufen Morgentoilette, Zeltabbau und Frühstück parallel ab, bis wir um etwa halb elf aufbrechen. Zuerst geht es nochmal kurz zurück zur Saltstraumenbücke, die Wirbel sollten jetzt gut zu sehen sein. Da man auf der Brücke nicht anhalten kann / darf, wartet die Lisl am Fuß der Brücke und ich laufe bis obenhin. Ganz schön hoch. Und ganz schön spannend, diese Strudel! Mittendrín, direkt unter der Brücke ist eine kleine, bewachsene Felsinsel, auf der es von Möwen nur so wimmelt. Sie brüten praktisch in der Speisekammer. Bei meiner Rückkehr wartet schon die zweite Fotosession für meine berühmte Lisl, obwohl wir erst den zweiten Tag unterwegs sind!

Die Wettervorhersage ist vielversprechend und bewahrheitet sich auch im Lauf des Tages. Es bleibt größtenteils sonnig und trocken. Die meisten Berggipfel verstecken sich jedoch leider in weißen oder grauen Wolken. Nicht ganz so warm (15-20 Grad)...
Hier in Nordnorwegen ist jetzt alles grün und blüht, allerdings fast ausschließlich Löwenzahn. Die Luft ist frisch, aber die Sonne hat Kraft. Sie schmilzt die noch vorhandenen Schneefelder ab und verwandelt die Felsrinnen in gischtende Sturzbäche oder Wasserfälle. Der Wetterdienst warnt sogar vor Hochwasser.

Mein Navi führt mich zum Wegpunkt "Stortind", Norwegens höchstem Berg, den wir sogar von unserer Heimat aus sehen können. Kurz vor dem Storviktunnel zweigt ein Nebensträßchen ab, das in die Berge führt. Es scheint kaum noch benutzt zu werden, eine offene Scharnke verkündet "Nutzung auf eingene Gefahr". Kein Wunder, die Straße wurde schon lange nicht mehr instandgehalten. Wunderbar. Wir zockeln an einem Bergsee entlang und genießen die Einsamkeit, bis unerwartet das Ende da ist. Nur noch wenden ist möglich, nur ein unzugänglicher Wanderweg führt weiter. Das Navi behauptet allerdings, das wäre eine befahrbare Straße. Und dann finde ich heraus, daß wir gar nicht am Stortind sind, den haben wor vor vielen Kilometern verpaßt. Da muß ich wohl beim Wegpunkt setzen irgend einen Mist gebaut haben. Schade. Aber vielleicht klappt es ja auf dem Rückweg.

Zwischen steilen Bergen, an engen Fjorden entlang trödeln wir genüsslich dahin und meistern herausfordernde Kurven. Die Lisl schnurrt zufrieden vor sich hin und auch meine Gedanken gehen heute kaum spazieren. Wir sind einfach hier, lassen uns treiben und freuen uns über die Schönheit!

Nun verschlingt uns der lange, dunkle und kalte Svartissentunnel. Die Haupt-Nord-Südverbindung in Norwegen, die E6, führt über den Svartissengletscher, aber wir bevorzugen die abwechlungsreiche "17-er" (Fylkesvei 17), die uns am Tunnelausgang den Auslauf des Gletschers präsentiert. Kleine Boote verkehren von hier aus auf die andere Seite, in die Nähe des Gletschers. Auch ein paar größere Schiffe zeigen ihren Passagieren die beeindruckende Aussicht. Ob wir wohl mal mit Waynes Boot hierher kommen? Die Arktis haben wir nun verlassen - sind wir jetzt schon im "sonnigen Süden"?

Es ist 18 Uhr. Wir sind kurz vor Nesna (ca. 20 min), von der aus die nächste Fähre angesagt ist. Das ist ein guter Zeitpunkt zum abschließen eines Fahrtages. Ich weiß, daß es hier einen schönen Rastplatz mit Toiletten gibt, direkt oben auf der Fjordkante mit herrlichem Ausblick. Er ist zwar viel mit Wohnmobilen besiedelt, aber dieses Risiko nehme ich gerne in Kauf. Aber - oh je, der Platz ist gesperrt. Großbaustelle. Die Toilettenhäuschen sind verschwunden, große Baumaschinen stehen herum, Erd- und Schotterhäufen sind über den Platz verteilt. Dahinter gibt es aber noch ein kleines Stückchen Erdweg bis zu ein paar Baucontainern. Dort steht auch das Vesperbänkchen und es gibt ausreichend ebenen Platz für mein Zelt. Den aufgerissenen Platz meistert die Lisl leicht und so haben wir wohl heute Nacht unsere Ruhe. Ein paar Touristen finden den Weg zu Fuß hierher, aber die bleiben nicht. Und da morgen Sonntag ist, stören wir auch nicht die Baustelle (oder die uns).



Und hier die Strecke: