Heute ist es wieder schwierig - ich meine, das Blogschreiben. Wir haben Wein getrunken, was ich absolut nicht gewöhnt bin. Mein Audiorekorder, den ich tagsüber mit Erlebnissen füttere, ist abgestürzt und hat nichts gespeichert. Warum? Es war sooooo heiß (37 Grad), dass alle Handies ausgefallen sind, sie haben sich einfach abgeschaltet...
Ich versuch's trotzdem:
Kurz nach 6 Uhr hat mich die Blase geweckt - als ich mich wieder hinlegen wollte, hat schon Wayne gerufen, ob er mir den Kaffee ans Bett bringen soll? Oh gern! Es war so angenehm warm heute Nacht, daß ich nur das Innenzelt aufgestellt habe, darum muss ich auch nicht viel einpacken. Bereits um halb neun sind wir on the road.
"Dabo'" ist unser erster Anlaufpunkt. Eigentlich hat Christof uns die Strecke empfohlen, weil sie schön kurvig ist, aber Wayne findet natürlich auch die Burg sehr spannend. Leider noch geschlossen so früh am Morgen. Dafür gibt's einen Wasserhahn, um meinen Kanister aufzufüllen. Schon jetzt wird es wärmer und wärmer. Die Strecke ist hübsch, nicht spektakulär. Meine Schwindelei ist auf gleichem Niveau wie gestern morgen, also muss die Lisl wieder übernehmen. Gemütlich trödelt sie hinter Wayne und Moss her und trägt mich sicher durch alle Kurven.
Dann geht's Richtung Straßburg. Am liebsten würde ich Städte ja im großen Bogen umfahren, aber Wayne liebt Gebäude, Architektur, Schlösser, Kathedralen usw. und ich habe versprochen, von ihm zu lernen. Um die Mittagszeit sind wir im Stadtzentrum angekommen - es herrschen ca. 32 Grad und wir stöhnen. Dennoch marschieren wir tapfer zum Münster, denn Wayne kann es nicht lassen - er muss die 327 Stufen auf den Turm steigen! Der spinnt! Moss und ich warten im Schatten und statten dem Springbrunnen nebenan einen kleinen Besuch ab. Noch ein Kurzbesuch in der Kirche (ohne mich...). Gemeinsam probieren wir anschließend natürlich elsäßischen Flammkuchen und wagen uns dann an die Weiterfahrt. Keines unserer Handies navigiert jetzt überhaupt oder gar richtig - zu heiß. Meines schaltet sogar komplett ab. Dennoch scheinen wir zwar den richtigen Weg zu finden, aber nur mit roter Welle, stop-and-go-Verkehr, kochenden Motoren und schmelzendem Asphalt. An der Rheinbrücke verschlimmert massive Polizeikontrolle die Situation noch. Es ist echt schrecklich.
Nachdem wir Kehl hinter uns gelassen haben, können wir zwar zügiger fahren, was uns etwas Fahrtwind beschert, dafür herrschen jetzt 37 stickige Hitzegrade! Kein Spaß! Wir sind alle gereizt und überhitzt. Endlich wieder eine typisch deutsche Umleitung, eine, die uns nur hereinlegt! Sperre - frei bis zu irgendeinem Hof. Wir entscheiden, trotzdem reinzufahren - die Bikes passen ja oft mal trotzdem durch und es ist bereits Wochenende. Passt! Zwei Barrieren im Abstand von 50 m und dazwischen nichts!
Es dauert unendlich lange, bis wir endlich im Schwarzwald etwas Schatten und Höhenluft bekommen. Hoffentlich bringen die nächsten Kurven etwas Kühle? Wayne entscheidet extrem kurzfristig, wir müssten in einen Supermarkt, um Moss etwas abzukühlen. Auf dem Weg dahin springt ihm aber ein Brunnen in den Weg, in welchen er kurzerhand den Hund hineinsetzt. Gut - dann gibt's eben hier erstmal eine Pause - mit Eis! Und dann erst geht's zum Einkaufen. Vor dem Ausgang bekommen wir dann von einem Mann noch eine Einladung zur Übernachtung in seiner Wohnung, die ich aber dankend ablehne. Er ist etwas seltsam.
Letztendlich biegen wir bald zwischen all den engen Kurven in einen Waldweg Richtung Windräder ein. Die Plätze unter den Türmen sind oft staubig, bieten nicht die erhoffte Aussicht und selten Schatten. Mein Navigator, Cptn Kelly, leitet uns weiter und weiter, die Wege werden schwieriger und schwieriger zu befahren, der Schotter tiefer und tiefer. Irgendwann lassen Lisl und ich ihn einfach weiter erkunden. Schließlich "spielt" er ja nur mit seinem Bike - seine Beine sind 10 cm länger als meine und sein Sattel liegt 20 cm tiefer. Kein Wunder, er kann die Fuhre so leicht in Balance halten. Ich komme ja nur mit den Fußspitzen meiner wackeligen Beine auf den Boden. Kein Risiko! Und was ist? Nach langer, langer Zeit kommt Moss dahergetrabt, sein Herrchen verschwitzt im Schlepptau. Sein Bike steht inzwischen wieder, das abgepackte Gepäck holen wir zu Fuß und dann gibt es tausend Entschuldigungen, wie und warum das geschehen ist. Dummer, großer Junge!
Immerhin haben rasten wir direkt dort, wo die Lisl parkt - da gibt es Aussicht und weiche Sägemehlhäufen. Der Abend klingt bei würzigem Salat, Wein und einem englischen Chat aus.
Und hier die Strecke: