Montag, 15. Juni 2026

Dänemark? Nicht mein Land

Um 6:20 Uhr bechließe ich, den unzähligen, erfolglosen Einschalfversuchen ein Ende zu setzen und aufzubrechen. In der Nacht hat es oft geregnet, jetzt bläst ein starker Wind und läßt die Zeltwände laut knattern. Es ist nicht ganz einfach, das Zelt bei diesem Gebläse in seinen Sack zu stopfen ohne daß es fortfliegt, aber schließlich sind wir aufbruchbereit. Mit Sand in den Schuhen und im Zelt. Die hiesigen "Berge" unterscheiden sich ein wenig von unseren norwegischen - sie sind begrünt, abgerundet und vielleicht 3 m hoch? Kurt gibt sein Bestes, Kurven zu finden, diese beschränken sich aber auf das abzirkeln von Feldern oder Wiesen. Dazwischen verläuft alles kerzengerade und eben. Super für Radfahrer, todlangweilig für uns. Vielleicht kann ich dabei eine Mütze Schlaf nachholen? Ich hab sogar verschlafen, die Trackaufzeichnung einzuschalten...

Ab Hanstholm soll das Gebiet Nationalpark sein. Ich fürchte, wir haben die falsche Straße genommen und fahren zu weit im Landesinneren. Schade. Nur den letzten Zipfel bekommen wir mit: ausgedehnte, sehr flache, riesige Seeflächen mit jeder Menge Vögel. Entlang des Ufers ziehen Salzablagerungen weiße Linien. Ein großes Stück verläuft die gerade Straße auf einem schmalen Landstreifen zwischen See und Meer, dann endet sie an der Fähre. Autsch - teuer! Und dann steige ich nicht rechtzeitig ab und stelle die Lisl auf den Ständer, so muß ich im Sitzen die Balance halten. Die Überfahrt gestaltet sich viel länger als gedacht und es herrscht eine starke Dünung, fast könnte ich schon seekrank werden. Es ist sehr anstrengend, das Gleichgewicht zu halten, darum bitte ich ein Crewmitglied, die Lisl festzuhalten, während ich sie abstelle. Viel besser, danke!
Also - Dänemark ist nicht mein Lieblingsland!

Die Lisl macht mir etwas Sorgen (abgesehen von ihren Schuhen), im Teillastbetrieb läuft sie nicht rund, im Schub patscht sie häufig, ruckelt und gelegentlich höre ich einen harten Schlag. Die schlimmsten Ursaachen gehen mir durch den Kopf. Gas- und Choke-Züge? Leerlaufdrehzahl? Gemischregulierung? Aber ich habe ja nicht plötzlich etwas verstellt. Eigentlich sollte keiner dieser Gründe zutreffen. Vielleicht kann ich das ja in Aschbuch klären? Die Kardanwelle? Hat ja nichts mit dem Motorlauf zu tun, nur eventuell mit den Schlägen. Irgendwie klingt sie auch lauter. Fehlt am Auspuff eine Zugfeder? Oder zieht sie am Luftfilter falsche Luft? Beim abendlichen Check stelle ich fest, daß am Sammler ein Loch zu sehen ist - das könnte der Grund sein. Das ist nicht schlimm, nur laut. Sollte in Aschbuch auf die Reparaturliste kommen.

Nach ca 400 Tageskilometern - eine starkeLeistung - möchten wir uns in Flensburg von Deutschland begrüßen lassen. Es ist saukalt geworden! Tante Google findet rasch ein Café in einer Bäckerei im "Skandinavienmarkt". Es ist gemütlich dort und ich schlemme bei Cappuccino, Amerikaner und Marzipanplunder. Dann überlege ich, wie und wo wir nächtigen wollen. Wild? Oh, es gibt doch "1nite Tent" - fällt mir da ein. Da finde ich eine ganze Menge in der Umgebung! Auf dieser Plattform werden in Deutschland private Plätze angeboten, wo man, im Prinzip, für 1 Nacht gratis zelten kann. Oft ist das im Garten, machmal sogar mitten in einer Stadt, ursprünglich mal für Radfahrer oder Backpacker gedacht, aber mittlerweile anscheinend auch für ein breiteres Publikum.

Bei den ersten dreien geht nur der Anrufbeantworter ran, dann nimmt eine freundliche Frau ab und heißt mich herzlich willkommen. In einer 3/4 Stunde sind wir da. Gesche ist echt ein Volltreffer! Eine sehr nette Frau, etwa in meinem Alter, Tierärztin (wie sich herausstellt), begeht mit mir das Grundstück, damit ich mir den besten Platz aussuchen kann. Der ist unterm Apfelbaum (bei den Maulwürfen), auf dem fein gemähten Rasen mit weichem, leicht moosigen Untergrund. Die Lisl bekommt zur Sicherheit gegen Einsinken ihr Vesperbrettchen unter den Ständer. Ich darf ALLES benutzen! Die liebe Gesche macht mir eine Thermoskanne heißen Tee, richtet mir vor dem Strandkorb ein Tischchen mit eigenen Erdbeeren und einer Flasche ganz frischer Kuhmilch her! Ihr Sohn betreibt gegenüber eine Milchwirtschaft. So eine leckere Milch habe ich schon 30 Jahre nicht mehr bekommen! Wow, geht es uns heut Abend gut!


Und hier die Strecke: