Ich war gestern wirklich ziemlich fertig - die Lisl ist aber so brav, ich muss mich kaum um sie kümmern. Heut schlaf ich doch etwas länger, bis 9:30 Uhr! Meinen Kopf behandle ich sehr zärtlich, damit er mich nicht wieder anschwindelt. Hoffentlich funktioniert das.
Iiiih, Schneckenschleim! Am Zeltboden und an den Schuhsohlen - geht echt Sch... weg!
Übernachtet haben wir neben einer gemähten Wiese auf einer Art Abstellplatz (altes Auto, Maschinen, Paletten, Brennholz). Zwischen uns und dem See lag die Straße und ein Campingplatz. Frech, gell? Die Konsequenz folgt heute - alles ist gepackt, ich ziehe gerade die Jacke an und die Lisl läuft sich schon warm. Eine wütende Bauersfrau taucht auf und fragt mich, was ich hier tue. Sie hat mich schon gestern abend gesehen, also weiß sie es doch. Ich soll gefälligst auf den Campingplatz gehen, dies wäre Privatgrund. Meinen Hinweis auf das Jedermannsrecht unterbricht sie und will ihn nicht hören. Ihr größtes Problem ist, wo ich wohl auf die Toilette gehe? "Wie die Tiere im Wald" ist meine Antwort und damit lassen wir sie stehen.
Der Abstecher zu diesem Kjenndals-Gletscher war wirklich schön, hat sich gelohnt. Tolle Aussichten! Spannendes Sträßchen! Der nächste Abstecher ist etwas länger und führt zum Briksdalsbreen. Auch hier steht ein Wasserfall auf meiner Bucketlist. Das Wasser kommt von weit oben und fällt ein großes Stück im freien Fall. Imposant! Vom Gletscher selbst ist leider nichts zu sehen. "Klimawandel"? Verglichen mit dem gestrigen Abstecher war's leider nicht ganz so wunderbar.
Weiter auf der Hauptroute mit einem lustigen Erlebnis: ich möchte kurz am Handy etwas einstellen und blinke am nächsten Parkplatz. Da springt ein Gelbkittel auf die Straße und winkt uns heraus, ebenso das Motorrad hinter uns. Im Buswartehäuschen entdecke ich den zweiten Mann mit der Laserpistole - oh je! Ob das teuer wird? Wir sind uns keiner Schuld bewußt, daher begrüße ich den Gelbkittel mit "Was ist passiert?". Er beruhigt mich, wir haben nichts falsch gemacht, es ist "nur" eine Alkoholkontrolle. Yeah, ich trinke NIE Alkohol! Führerschein und Blasen - Überraschung: 0,0 Promille! Ich lache und wir verabschieden uns freundlich.
Kurt führt mich den "Trondheimske postvei" (Trondheimscher Postweg), ein kurzes Stück geschotterter Feldweg. Aber: sehr steil und mit vielen Wasserablaufkuppen quer zur Fahrbahn. Die Lisl muss sich ordentlich anstrengen! Hat Spaß gemacht. Wir landen auf einer mittelgroßen Asphaltstraße (613) mit erstaunlich regem Verkehr. Aber es gibt ja auch tolle Aussichten hier! Am Fuß der Aufstiegs verkündet ein Schild, daß das Gaularfjellet geöffnet ist. Immerhin führen zwei Pässe über 600 bzw. 800 m hinauf. Die triste Hochmoorlandschaft finden wir allerdings auch sehr schön, besonders, wenn die Schneefelder bis an die kleinen Seen heranreichen. Und natürlich hat die Lisl Spaß in den Kurven und Serpentinen - ein gutes Training für die Alpen.
Bergen soll ja angeblich 364 Tage im Jahr Regen haben. Bis dorthin sind es "nur noch" ca. 200 km und wir bekommen heute darauf einen Vorgeschmack. Den ganzen Tag wechselt das Wetter zwischen Sonnenschein und Schauern. Zum Glück gießt es nicht in Strömen und auch nicht unentwegt - so bleibt die Stimmung doch gut. Ist schon krass, wenn wir am Seeufer entlang fahren und auf der sonnenbestrahlten Gegenseite sattgrüne Wiesen, dann einen Waldgürtel, darüber nakten Fels und obendrüber strahlendblauen Himmel mit weißen Wölkchen sehen. Leicht die Himmelsrichtung geändert, verschwindet die Aussicht in schwarzen Wolken und Nieselregen.
Ach, sind wir eigentlich an einem See? Oder an einem Fjord? Oder folgen wir einem breiten Fluss? Auskunft darüber gibt mir nur der Höhenmesser - auf 250 m Höhe kann es nur ein See sein. Aber Wasserfälle haben wir inzwischen unendlich viele gesehen - keiner davon ist auf meiner Liste. Aber alle sind etwas Besonderes. Viele schmale Bäche stürzen sich über hohe Felsklippen, aber es gibt auch einige tosende, extrem wasserreiche und gischtende Wasserfälle! Die liebe ich besonders!
Demnächst kreuzen wir den Esefjord, einen Nebenarm des Sognefjords. Es ist bereits 6 Uhr abends, darum wollen wir diese Etappe erst morgen früh in Angriff nehmen. Hier ist wenig Verkehr, da können wir das Zelt leicht auf einer Erddeponie über dem Fjord aufstellen. Nicht besonders romantisch, aber ein herrlicher Ausblick, wenn es gerade nicht regnet. Gute Nacht!










