Zu christlicher Zeit beschließe ich, aufzustehen. Es hat aufgehört zu regnen aber meine Sachen sind noch lange nicht trocken. Handschuhe und Hose triefen immer noch - die schwachbrüstige Heizung ist halt kein Trockner. Bis zur Fähre sind es nur 15 km. Die Lisl scheint in Ordnung, alles funktioniert und nichts riehcht mehr verschmort. Alles gut. Wir kommen am Terminal an, als das Schiff gerade einläuft. Aber ich habe mich im Fahrplan verguckt - die Fähre bedient erst ene andere Strecke bevor sie uns 20 min später abholt. Die Navi-Halterung lockert sich und mag nicht mehr bleiben, wo ich sie gerne hätte. Ein bisschen schrauben am Straßenrand und letztendlich leigt das Telefon schief, aber die Route ist gut sichtbar; ich muss halt nur ein wenig schief gucken.
Ein Schottersträßchen! Die Vegetation ist hier schon ein Stück weiter, die Wiesen sind schon gemäht, die Blütenpracht ist deutlich farbiger. Etwa 60 km wird diese Strecke nördlich des Trondheimfjords lang sein, bevor wir wieder auf eine größere Straße gelangen. Der Untergrund ist erdig, aber frisch geschottert. Mit einspurigen Fahrzeugen sollte man da vorsichtig sein, die rutschen leicht mal weg. Lisl Vorderreifen kratzt auch schon heftig an der Profilgrenze. Aber wir haben ja Zeit und müssen uns nichts mehr beweisen. Gedanklich stellen wir uns auf eine gute Stunde Schotterspaß ein - bis wir an die Gemeindegrenze kommen. Ab hier gibt's wieder Asphalt, anscheinend hat man hier mehr Geld. Na dann genießen wir halt phantastische, einsame Kurven durch die grünen Wiesen und Wälder.
Das Wetter? Ja, das schlägt heute mal wieder Kapriolen. Morgens kühl und bedeckt aber trocken. Gegen Mittag klart es auf und die Sonne heizt uns ordentlich ein. In Bjugn setze ich mich mit kaltem Cola und Softeis ins Freie und telefoniere ein Weilchen mit Wayne in England. Gerade als die Pause beendet ist, beginnt es zu tröpfeln. Ich beschließe, daß dies nur ein "örtlicher Schauer" sein wird und verweigere die Regenhose. Je nachdem, welche Kurve wir gerade hinter uns bringen, gibt mir der Himmel recht oder auch nicht. Am Fährhafen in Brekstad kübelt es wieder und ich muss die Regenhose ausgraben. Nirgends ein Aufenthaltsraum oder ein Dach zum unterstellen...oh doch, die Mülleimer stehen im Trockenen. Da ist auch noch Platz zum Regenzeug anziehen. Kaum am anderen Ufer angekommen trocknet die Straße bereits ab und bald braten wir wieder in der Sonne. Da habe ich ein Déjà-vu, denn als wir das letzte mal diesen Fjord überquert haben, war der Himmel auch in schwarz und blau geteilt.
Die Pause hat gut getan - frischer und konzentrierter geht die Reise weiter. Vor Orkanger biegen wir wieder auf ein Nebensträßchen ab, das Navi bietet uns zum Schluß des heutigen Tages noch ein Kurvenschmankerl an. Ziel ist der Hoston-See, wo wir hoffentlich ein romantisches Plätzchen finden. Hm. Alles Steilküste. Die Route führt noch ein Weilchen am See entlang und wechselt dann auf eine größere Straße mit ebenfalls wenig Verkehr. Hier sind wir direkt am Seeufer. Aber natürlich alles verbaut, robotgemähte Rasenflächen und am Rastplatz Campingverbot. Schade. Aber am Ortsausgang werden wir fündig: ein Sportgelände mit Sporthalle, Steg und ein paar Booten. Ein großer Schotterparkplatz und 3 ausgewiesene, aber freie WoMo-Plätze. Und Sitzgarnituren. Super!
Als alles soweit hergerichtet und zum Trocknen aufgehängt ist und ich es mir am Tisch gemütlich machen will, kommt ein kräftiger, kalter Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Also schnell alles regendicht machen. Das Bad im See fällt aus (wär mir eh zu kalt gewesen).





