Kaum war die Sonne gestern abend hinter dem Berg verschwunden, wurde es auf unseren 340 m Höhe lausig kalt. So kalt, daß sich auf dem Zelt bald Tau niederschlug. Trotzdem habe ich fantastisch gut geschlafen und möchte - nach einem kurzen Aufwacher um 6:30 Uhr - eigentlich noch ein wenig weiterschlafen, aber gerade da fängt es leicht an zu nieseln. Ich möchte ungern im für erst 9 Uhr angesagten Regen einpacken, darum brechen wir jetzt Hals über Kopf auf. Ohne Morgentoilette oder Kaffee. Da die Fähre erst nach 9 Uhr ablegt, haben wir dort massenhaft Zeit und finden vielleicht einen Frühstücksplatz. Nö. Pech gehabt. Der Tankstellenshop macht erst um Mittag auf und ein Cafe am Hafen hat auch noch geshlossen. Immerhin bietet es ein kleines Vordach, wo ich trocken sitzen bzw. ein wenig Gymnastik machen kann. Oh je - mein Schwindel ist wieder da, ziemlich heftig!
Während der Wartezeit regnet es sich ein. Schnürlregen. Der Wetterbericht hat ja einen naßen Tag angekündigt, darum ist eingentlich alles regendicht. Lenkerstulpen, Überzeug, Packsäcke, Tankrucksack und Stiefel sollten mich gut schützen. Während der Überfahrt kann ich mich im Salon aufhalten, aber danach werden wir bald schon ziemlich naß. Irgendwie ist meine Ausrüstung wohl nicht mehr tasendprozentig dicht. Nasse Hände machen mir nicht viel aus, ich habe ja Heizgriffe. Der nasse Hintern ist schon unangenehmer. Und dann fangen auch die Stiefel an, innen feucht zu werden. Grau in grau - wir müssen wohl durch das Regengebiet durchtauchen. Das nimmt ein uns entgegenkommendes Wohnmobil anscheinend wörtlich und schleudert uns bei seiner Pfützendurchfahrt eine wahre Wasserwand entgegen! Die hat gesessen! 12 Grad Kälte, verkündet mein Thermometer. Brrr.
Heute ist zum Glück "Fährtag", d.h. eigentlich hüpfen wir ständig von einer Fähre zur nächsten. Manche können wir sofort entern, auf andere müssen wir zum Teil stundenlang warten. In der Wartepause beim Brillentrocknen stelle ich fest, dass einer der Nasenstützen abebrochen ist. Mist! Selbst einer der Fähren zickt, die Ladeklappe schließt nicht vollständig. Wir setzen trotzdem über. Und ein französisches Päärchen läßt beim einparken hinter mir sein Motorrad fallen.
Nicht nur ich bin heut nicht gut drauf und sehr in mich gekehrt, auch mein Navi schläft gelegentlich einfach ein und zeichnet den Track nicht auf. Leider merke ich das manchmal erst spät. Da muss ich heute Abend wohl von Hand nacharbeiten. Zum Glück ist die Lisl völlig unbeeindruckt von den Wassermassen, sie paßt gut auf, auch in Baustellen und bei Schlaglöchern. Zuverlässig rollt und rollt und rollt sie.
"Fahren Sie weiter, es gibt nichts zu sehen", das stimmt heute wirklich. Das winzige bisschen Landschaft, das zu sehen ist, reißt uns nicht vom Hocker. Fast wie "zu Hause" in Deutschland: grüne Wiesen, flach bis hügelig, ein wenig Wald. Alles andere ist in den Wolken verschwunden. Schon ab 16 Uhr halten wir Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ein Dach über dem Kopf will ich unbedingt haben. Rastplätze mit überdachten Stellen gibt es keine. "Bunk a biker" hat leider auch abgesagt. Da muss ich wohl an eine Hütte oder ein Hotel denken. Hotelzimmer fangen bei 120 € an. Direkt am nächsten Hafen liegt ein Campingplatz mit Hütten - die Kleinste für ca. 60 €. Die ist unsere! Wir sind ja schließlich schon alte Mädels und dürfen uns auch mal was gönnen. Mit mehr Personen wäre es natürlich günstiger - bis zu 4 Betten sind nutzbar. Als wir auf dem Campingplatz anhalten, riecht es unangenehm verbrannt. Kupplung oder Bremsen? Eher nicht. Der Geruch ist auch noch da, als die Lisl vor der Hütte steht. Riecht eher wie verbranntes Kabel. Ein Kabelbrand? Hoffentlich nicht! Es ist nichts zu sehen und anscheinend funktioniert auch alles soweit. Morgen werden wir sehen (oder riechen).
Anzug, Schuhe und Packsäcke bleiben erstmal auf der überdachten Veranda vor der Hütte, bis das gröbste Wasser abgetropft ist. Erst dann hole ich sie zum Trocknen in die Hütte. Die Lisl muss leider wieder mal draußen aushalten.
Eine heiße Dusche tut jetzt gut - nicht gegen Dreck, sondern gegen Kälte. Ich bleibe allerdings nicht ganz so lange drin, wie in meinem Badezuber. Etwas aufgewärmt geht's zurück in die immer noch kühle Hütte zu einer heißen Tasse Tee. Der Heizkörper gibt sein Bestes, was mir aber heute nicht gut genug ist. Das Abendessen muss noch etwas warten, die Kochplatte kämpft und kämpft... Das Laptop hat keinen Saft mehr, auch sein Ladekabel streikt. Und das große Batteriepack zum nachladen aller möglichen Geräte oder für einen Fremdstart von Lisl gedacht, ist leer! Grundlos.
So einen Tag braucht keiner. Kann ich ihn ausradieren?
Und hier die Strecke:






