Freitag, 14. August 2026

Gaustatoppen

Nachts hat es stark geregnet, bei unserer Abfahrt kurz nach neun ist das Zelt noch nass, aber es hat immerhin aufgehört zu regnen. Dennoch ziehe ich die volle Regenmontur an - vorsichtshalber. Nächste Haltestelle: Rjukan und Gaustatoppen. Entlang der Ostseite der Hardangervidda chauffieren wir über gute, kurvige Straßen unserem ersten Ziel entgegen. In Rjukan bekommt die Lisl ihren Sprit und ich meinen Kaffee. Danach sehen wir uns die Spiegel an: "es werde Licht" sprach der Bürgermeister und schlaue Ingenieure haben auf der Bergkante 3 große Spiegel aufgestellt, damit die Sonne in das dunkle Tal hinunterkäme. Wohin die Spiegel allerdings das Licht werfen, finde ich nicht heraus.

16 km weiter führt ein holpriges Asphaltsträßchen zur Gaustatoppenbahn, bis dahin führt uns Kurti wieder über die einsame Straßenversion. Die Bahn ist schon ein Abenteuer, aber auch ziemlich teuer. Ca. 60 € kostet mich der Spaß und heute gibt es leider keinen Ausblick von oben. Angeblich sollen 60% von Norwegen von dort oben zu sehen sein - kann schon sein, wenn 60% von Norwegen im Nebel liegen?

Also die Bahn stammt aus meinem Geburtsjahr, was man der Technik im Führerhaus auch ansieht. Der Tunnel entspricht fast einer Presspassung zu den Waggons. Zuerst fahren 2 Waggons (max. 25 Personen) etwa 850 m in den Berg hinein, nach einem Zugwechsel klettern die nächsten Kabinen an einem Seil die 83-prozentige Steigung hinauf. Dauerhaft ergießen sich unter den Schienen und Treppenstufen Sturzbäche. Auf halber Strecke teilen sich die Schienen, um den Gegenzug zu passieren. Insgesamt sind wir ca. 15 min im Berg unterwegs. An der Bergstation gibt es eine Tafel, in welcher Himmelsrichtung was zu sehen ist - heute sieht alles gleich aus. Trotz Wind lichtet sich der Nebel leider nicht. Den Aufstieg zur Touristenhütte über viele hohe Natursteinstufen unternehme ich noch, aber bis ganz zum Gipfel schaffe ich es nicht. Ein amüsantes Schild an der Hüttentür verbietet Krokodilen und Hunden den Zutritt. Auf meine Frage, wo denn der Krokodilparkplatz wäre, antwortet der junge Kassierer "direkt draußen, neben den Tigern".

Dennoch war die Bahnfahrt ein spannendes Erlebnis. An der Talstation es es deutlich wärmer - die Regenhose wandert wieder ins Gepäck und die Abzweigung vom Zufahrtsweg zur Straße wird von einem Reisebus blockiert, der hier unbedingt eine 180 Gradwende schaffen will.

Auf 1.200 m reisen wir nun über die Hochebene. Kerzengerade verläuft die Straße über das kahle Fjell bis zum Sønstevatn, der ebenfalls ziemlich leer aussieht. Nach einem kurzen Abstieg ins Uvdal mit Stabkirche, klettern wir schnell wieder kurven- und kehrenreich nach oben.
Um 18 Uhr steht das Zelt schon ein Weilchen, ich habe etwas Wäsche im Tunhovdfjord absolviert und mache mich gerade über den Blog her, als der angekündigte Regen einsetzt. Schnell alle Luken dicht machen...

Was läuft nicht so gut? Am Ölfilterdeckel findet sich ein wenig Ölnebel - das werde ich aber erst zu Hause in Ordnung bringen. Der Wasserkanister leckt - er hat heute (vielleicht altersbedingt?) einen Sprung in der oberen Ecke bekommen. Bis zu Hause hält er noch durch.


Und hier die Strecke: