Samstag, 15. August 2026

Den gammle Tindevegen

Ich bleibe heute lange liegen, warte bis sich der Nebel überm See gelichtet hat und die Sonne strahlt - um 10 Uhr bei 17 Grad ist erst Aufbruch. Die Erholung hat gut getan.
Durch lichte Kiefernwälder entlang der Baumgrenze folgen wir Kurtis Vorschlägen. Super angenehme Reisetemperatur, leichte Brise, Sonne, weiße und manchmal leicht graue Wolken.

Da wir im Zickzack durch Südnorwegen kreuzen, scheint die nordische Heimat nicht näher zu kommen. Gol - eine absolute Touristenstadt. Wie so vielerorts weicht hier Tradition dem Konsum. Abgesehen von einer langen Kaffeepause an der Tanke möchte ich schnell wieder weg.

Auf bald 1200 m wird es frisch; die Landschaft verändert sich: breite, grüne Hochtäler mit Landwirtschaft werden gesäumt von grünen Bergketten.
Der riesige Tyinsee scheint etwa 3 m Wasserspiegel zu vermissen - das macht bei seiner Größe ca. 100 Milliarden (!) Liter  Wasser aus!

Unser heutiges Ziel ist der alte Tindeweg, der mittlerweile von einem Tunnel abgelöst wurde. Ich liebe alte, abgelegene Wege! Der Einstieg ist bereits herausfordernd: die erste Serpentine ist unter nassem Schlamm begraben, der aus einer Baustelle / Tunnelbohrung direkt daneben ausläuft. Schritttempo. Auch die weiteren direkt aufeinanderfolgenden, engen Serpentinen fordern sicher manchen erfahrenen Alpenfahrer heraus. Meine liebe Lisl meistert alles mit Bravour. Zum Glück haben wir so gut wie keinen Gegenverkehr. 

Das ändert sich schlagartig, als wir auf ein Wohnwagengespann auflaufen. Dieses muss wegen Gegenverkehr anhalten - ich kann nicht vorbeisehen. Immer wenn ich schielen will, taucht der nächste Tesla auf - gefühlt sind das hunderte! Kurz darauf - es ist ein gerader Streckenabschnitt - begegnen uns zwei Hundegespanne; ich weiß nicht wie viel Huskies vor jeweils ein Quad gespannt sind. Fantastisch! 
Auf 1367 m Höhe steht die Mautstation an unserem heutige Ziel; 75 kr kostet uns der Spaß. Auf der Straße haben wir freie Sicht, aber unter, neben und über uns wabern graue Wolkenfetzen durch die Gegend.

Ab sofort wird ein Zeltplatz gesucht, ein bisschen weiter unten. Aber nicht ganz im Tal, da erwarte ich wenig Möglichkeiten. Morgen werden wir das Sognefjell erklimmen und am höchsten Berg Norwegens vorbeikommen. Da es dort sicher noch kälter sein wird, machen wir lieber etwas früher Halt und schnappen einem Wohnmobil den Platz mit dem besten Ausblick weg. Obwohl eigentlich kein Regen angesagt ist, fängt es ganz leicht an zu nieseln, gerade als das Zelt steht - timing!



Und hier die Strecke: