Montag, 8. Juni 2026

Wechselbäder

Zu christlicher Zeit beschließe ich, aufzustehen. Es hat aufgehört zu regnen aber meine Sachen sind noch lange nicht trocken. Handschuhe und Hose triefen immer noch - die schwachbrüstige Heizung ist halt kein Trockner. Bis zur Fähre sind es nur 15 km. Die Lisl scheint in Ordnung, alles funktioniert und nichts riehcht mehr verschmort. Alles gut. Wir kommen am Terminal an, als das Schiff gerade einläuft. Aber ich habe mich im Fahrplan verguckt - die Fähre bedient erst ene andere Strecke bevor sie uns 20 min später abholt. Die Navi-Halterung lockert sich und mag nicht mehr bleiben, wo ich sie gerne hätte. Ein bisschen schrauben am Straßenrand und letztendlich leigt das Telefon schief, aber die Route ist gut sichtbar; ich muss halt nur ein wenig schief gucken.

Ein Schottersträßchen! Die Vegetation ist hier schon ein Stück weiter, die Wiesen sind schon gemäht, die Blütenpracht ist deutlich farbiger. Etwa 60 km wird diese Strecke nördlich des Trondheimfjords lang sein, bevor wir wieder auf eine größere Straße gelangen. Der Untergrund ist erdig, aber frisch geschottert. Mit einspurigen Fahrzeugen sollte man da vorsichtig sein, die rutschen leicht mal weg. Lisl Vorderreifen kratzt auch schon heftig an der Profilgrenze. Aber wir haben ja Zeit und müssen uns nichts mehr beweisen. Gedanklich stellen wir uns auf eine gute Stunde Schotterspaß ein - bis wir an die Gemeindegrenze kommen. Ab hier gibt's wieder Asphalt, anscheinend hat man hier mehr Geld. Na dann genießen wir halt phantastische, einsame Kurven durch die grünen Wiesen und Wälder.

Das Wetter? Ja, das schlägt heute mal wieder Kapriolen. Morgens kühl und bedeckt aber trocken. Gegen Mittag klart es auf und die Sonne heizt uns ordentlich ein. In Bjugn setze ich mich mit kaltem Cola und Softeis ins Freie und telefoniere ein Weilchen mit Wayne in England. Gerade als die Pause beendet ist, beginnt es zu tröpfeln. Ich beschließe, daß dies nur ein "örtlicher Schauer" sein wird und verweigere die Regenhose. Je nachdem, welche Kurve wir gerade hinter uns bringen, gibt mir der Himmel recht oder auch nicht. Am Fährhafen in Brekstad kübelt es wieder und ich muss die Regenhose ausgraben. Nirgends ein Aufenthaltsraum oder ein Dach zum unterstellen...oh doch, die Mülleimer stehen im Trockenen. Da ist auch noch Platz zum Regenzeug anziehen. Kaum am anderen Ufer angekommen trocknet die Straße bereits ab und bald braten wir wieder in der Sonne. Da habe ich ein Déjà-vu, denn als wir das letzte mal diesen Fjord überquert haben, war der Himmel auch in schwarz und blau geteilt.

Die Pause hat gut getan - frischer und konzentrierter geht die Reise weiter. Vor Orkanger biegen wir wieder auf ein Nebensträßchen ab, das Navi bietet uns zum Schluß des heutigen Tages noch ein Kurvenschmankerl an. Ziel ist der Hoston-See, wo wir hoffentlich ein romantisches Plätzchen finden. Hm. Alles Steilküste. Die Route führt noch ein Weilchen am See entlang und wechselt dann auf eine größere Straße mit ebenfalls wenig Verkehr. Hier sind wir direkt am Seeufer. Aber natürlich alles verbaut, robotgemähte Rasenflächen und am Rastplatz Campingverbot. Schade. Aber am Ortsausgang werden wir fündig: ein Sportgelände mit Sporthalle, Steg und ein paar Booten. Ein großer Schotterparkplatz und 3 ausgewiesene, aber freie WoMo-Plätze. Und Sitzgarnituren. Super!

Als alles soweit hergerichtet und zum Trocknen aufgehängt ist und ich es mir am Tisch gemütlich machen will, kommt ein kräftiger, kalter Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Also schnell alles regendicht machen. Das Bad im See fällt aus (wär mir eh zu kalt gewesen).

Und hier die Strecke:

Sonntag, 7. Juni 2026

Fähren...

Kaum war die Sonne gestern abend hinter dem Berg verschwunden, wurde es auf unseren 340 m Höhe lausig kalt. So kalt, daß sich auf dem Zelt bald Tau niederschlug. Trotzdem habe ich fantastisch gut geschlafen und möchte - nach einem kurzen Aufwacher um 6:30 Uhr - eigentlich noch ein wenig weiterschlafen, aber gerade da fängt es leicht an zu nieseln. Ich möchte ungern im für erst 9 Uhr angesagten Regen einpacken, darum brechen wir jetzt Hals über Kopf auf. Ohne Morgentoilette oder Kaffee. Da die Fähre erst nach 9 Uhr ablegt, haben wir dort massenhaft Zeit und finden vielleicht einen Frühstücksplatz. Nö. Pech gehabt. Der Tankstellenshop macht erst um Mittag auf und ein Cafe am Hafen hat auch noch geshlossen. Immerhin bietet es ein kleines Vordach, wo ich trocken sitzen bzw. ein wenig Gymnastik machen kann. Oh je - mein Schwindel ist wieder da, ziemlich heftig!
Während der Wartezeit regnet es sich ein. Schnürlregen. Der Wetterbericht hat ja einen naßen Tag angekündigt, darum ist eingentlich alles regendicht. Lenkerstulpen, Überzeug, Packsäcke, Tankrucksack und Stiefel sollten mich gut schützen. Während der Überfahrt kann ich mich im Salon aufhalten, aber danach werden wir bald schon ziemlich naß. Irgendwie ist meine Ausrüstung wohl nicht mehr tasendprozentig dicht. Nasse Hände machen mir nicht viel aus, ich habe ja Heizgriffe. Der nasse Hintern ist schon unangenehmer. Und dann fangen auch die Stiefel an, innen feucht zu werden. Grau in grau - wir müssen wohl durch das Regengebiet durchtauchen. Das nimmt ein uns entgegenkommendes Wohnmobil anscheinend wörtlich und schleudert uns bei seiner Pfützendurchfahrt eine wahre Wasserwand entgegen! Die hat gesessen! 12 Grad Kälte, verkündet mein Thermometer. Brrr.

Heute ist zum Glück "Fährtag", d.h. eigentlich hüpfen wir ständig von einer Fähre zur nächsten. Manche können wir sofort entern, auf andere müssen wir zum Teil stundenlang warten. In der Wartepause beim Brillentrocknen stelle ich fest, dass einer der Nasenstützen abebrochen ist. Mist! Selbst einer der Fähren zickt, die Ladeklappe schließt nicht vollständig. Wir setzen trotzdem über. Und ein französisches Päärchen läßt beim einparken hinter mir sein Motorrad fallen. 
Nicht nur ich bin heut nicht gut drauf und sehr in mich gekehrt, auch mein Navi schläft gelegentlich einfach ein und zeichnet den Track nicht auf. Leider merke ich das manchmal erst spät. Da muss ich heute Abend wohl von Hand nacharbeiten. Zum Glück ist die Lisl völlig unbeeindruckt von den Wassermassen, sie paßt gut auf, auch in Baustellen und bei Schlaglöchern. Zuverlässig rollt und rollt und rollt sie.


"Fahren Sie weiter, es gibt nichts zu sehen", das stimmt heute wirklich. Das winzige bisschen Landschaft, das zu sehen ist, reißt uns nicht vom Hocker. Fast wie "zu Hause" in Deutschland: grüne Wiesen, flach bis hügelig, ein wenig Wald. Alles andere ist in den Wolken verschwunden. Schon ab 16 Uhr halten wir Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ein Dach über dem Kopf will ich unbedingt haben. Rastplätze mit überdachten Stellen gibt es keine. "Bunk a biker" hat leider auch abgesagt. Da muss ich wohl an eine Hütte oder ein Hotel denken. Hotelzimmer fangen bei 120 € an. Direkt am nächsten Hafen liegt ein Campingplatz mit Hütten - die Kleinste für ca. 60 €. Die ist unsere! Wir sind ja schließlich schon alte Mädels und dürfen uns auch mal was gönnen. Mit mehr Personen wäre es natürlich günstiger - bis zu 4 Betten sind nutzbar. Als wir auf dem Campingplatz anhalten, riecht es unangenehm verbrannt. Kupplung oder Bremsen? Eher nicht. Der Geruch ist auch noch da, als die Lisl vor der Hütte steht. Riecht eher wie verbranntes Kabel. Ein Kabelbrand? Hoffentlich nicht! Es ist nichts zu sehen und anscheinend funktioniert auch alles soweit. Morgen werden wir sehen (oder riechen).
Anzug, Schuhe und Packsäcke bleiben erstmal auf der überdachten Veranda vor der Hütte, bis das gröbste Wasser abgetropft ist. Erst dann hole ich sie zum Trocknen in die Hütte. Die Lisl muss leider wieder mal draußen aushalten.
Eine heiße Dusche tut jetzt gut - nicht gegen Dreck, sondern gegen Kälte. Ich bleibe allerdings nicht ganz so lange drin, wie in meinem Badezuber. Etwas aufgewärmt geht's zurück in die immer noch kühle Hütte zu einer heißen Tasse Tee. Der Heizkörper gibt sein Bestes, was mir aber heute nicht gut genug ist. Das Abendessen muss noch etwas warten, die Kochplatte kämpft und kämpft... Das Laptop hat keinen Saft mehr, auch sein Ladekabel streikt. Und das große Batteriepack zum nachladen aller möglichen Geräte oder für einen Fremdstart von Lisl gedacht, ist leer! Grundlos.

So einen Tag braucht keiner. Kann ich ihn ausradieren?

Und hier die Strecke:

Samstag, 6. Juni 2026

Brücken, Tunnel, Fähren

Die regenreiche Nacht hab ich im Etappenschlaf verbracht, während sich die Lisl vielleicht über eine Dusche gefreut hat? Auf jeden Fall scheint am Morgen die Sonne und das Zelt ist bereits fast trocken. Ganz genmütlich und genußvoll laufen Morgentoilette, Zeltabbau und Frühstück parallel ab, bis wir um etwa halb elf aufbrechen. Zuerst geht es nochmal kurz zurück zur Saltstraumenbücke, die Wirbel sollten jetzt gut zu sehen sein. Da man auf der Brücke nicht anhalten kann / darf, wartet die Lisl am Fuß der Brücke und ich laufe bis obenhin. Ganz schön hoch. Und ganz schön spannend, diese Strudel! Mittendrín, direkt unter der Brücke ist eine kleine, bewachsene Felsinsel, auf der es von Möwen nur so wimmelt. Sie brüten praktisch in der Speisekammer. Bei meiner Rückkehr wartet schon die zweite Fotosession für meine berühmte Lisl, obwohl wir erst den zweiten Tag unterwegs sind!

Die Wettervorhersage ist vielversprechend und bewahrheitet sich auch im Lauf des Tages. Es bleibt größtenteils sonnig und trocken. Die meisten Berggipfel verstecken sich jedoch leider in weißen oder grauen Wolken. Nicht ganz so warm (15-20 Grad)...
Hier in Nordnorwegen ist jetzt alles grün und blüht, allerdings fast ausschließlich Löwenzahn. Die Luft ist frisch, aber die Sonne hat Kraft. Sie schmilzt die noch vorhandenen Schneefelder ab und verwandelt die Felsrinnen in gischtende Sturzbäche oder Wasserfälle. Der Wetterdienst warnt sogar vor Hochwasser.

Mein Navi führt mich zum Wegpunkt "Stortind", Norwegens höchstem Berg, den wir sogar von unserer Heimat aus sehen können. Kurz vor dem Storviktunnel zweigt ein Nebensträßchen ab, das in die Berge führt. Es scheint kaum noch benutzt zu werden, eine offene Scharnke verkündet "Nutzung auf eingene Gefahr". Kein Wunder, die Straße wurde schon lange nicht mehr instandgehalten. Wunderbar. Wir zockeln an einem Bergsee entlang und genießen die Einsamkeit, bis unerwartet das Ende da ist. Nur noch wenden ist möglich, nur ein unzugänglicher Wanderweg führt weiter. Das Navi behauptet allerdings, das wäre eine befahrbare Straße. Und dann finde ich heraus, daß wir gar nicht am Stortind sind, den haben wor vor vielen Kilometern verpaßt. Da muß ich wohl beim Wegpunkt setzen irgend einen Mist gebaut haben. Schade. Aber vielleicht klappt es ja auf dem Rückweg.

Zwischen steilen Bergen, an engen Fjorden entlang trödeln wir genüsslich dahin und meistern herausfordernde Kurven. Die Lisl schnurrt zufrieden vor sich hin und auch meine Gedanken gehen heute kaum spazieren. Wir sind einfach hier, lassen uns treiben und freuen uns über die Schönheit!

Nun verschlingt uns der lange, dunkle und kalte Svartissentunnel. Die Haupt-Nord-Südverbindung in Norwegen, die E6, führt über den Svartissengletscher, aber wir bevorzugen die abwechlungsreiche "17-er" (Fylkesvei 17), die uns am Tunnelausgang den Auslauf des Gletschers präsentiert. Kleine Boote verkehren von hier aus auf die andere Seite, in die Nähe des Gletschers. Auch ein paar größere Schiffe zeigen ihren Passagieren die beeindruckende Aussicht. Ob wir wohl mal mit Waynes Boot hierher kommen? Die Arktis haben wir nun verlassen - sind wir jetzt schon im "sonnigen Süden"?

Es ist 18 Uhr. Wir sind kurz vor Nesna (ca. 20 min), von der aus die nächste Fähre angesagt ist. Das ist ein guter Zeitpunkt zum abschließen eines Fahrtages. Ich weiß, daß es hier einen schönen Rastplatz mit Toiletten gibt, direkt oben auf der Fjordkante mit herrlichem Ausblick. Er ist zwar viel mit Wohnmobilen besiedelt, aber dieses Risiko nehme ich gerne in Kauf. Aber - oh je, der Platz ist gesperrt. Großbaustelle. Die Toilettenhäuschen sind verschwunden, große Baumaschinen stehen herum, Erd- und Schotterhäufen sind über den Platz verteilt. Dahinter gibt es aber noch ein kleines Stückchen Erdweg bis zu ein paar Baucontainern. Dort steht auch das Vesperbänkchen und es gibt ausreichend ebenen Platz für mein Zelt. Den aufgerissenen Platz meistert die Lisl leicht und so haben wir wohl heute Nacht unsere Ruhe. Ein paar Touristen finden den Weg zu Fuß hierher, aber die bleiben nicht. Und da morgen Sonntag ist, stören wir auch nicht die Baustelle (oder die uns).



Und hier die Strecke:

Freitag, 5. Juni 2026

Ofoten - Lofoten

Von den Ofoten (meiner Heimat) zu den bekannten Lofoten ist es nicht weit - in 30 min fährt man über die Tjeldsundbrücke auf die größte der Lofoten-Inseln, Hæmarøy. Ziel für heute ist Moskenes, am südlichen Ende der Inselgruppe.

9:45 - es kann losgehen! Oder doch nicht? Ein Handy-Ladekabel lädt nicht. Na ja, ich hab ja noch eines dabei. Raus aus der Garage, der Stecker vom zweiten Ladekabel bricht ab. Das geht ja gut los!

Herrliches Wetter, 20 Grad, nur ein dünner Pullover unter der Jacke. Allerdings habe ich auch die Regenjacke an, die schützt vor Wind und Kälte und am Nachmittag / Abend ist evt. leichter Regen angesagt. Im Rückblick ist das der perfekte Dresscode.
Zum Einstieg nehmen wir den Meldalsvei über Tårstad, das ist eine Schotterstraße. Heute ist hier sehr viel Fußvolk unterwegs, das Militär veranstaltet anscheinend einen Marathon mit schweren Rucksäcken. Arme Jungs und Mädels.

Von den Ofoten zum "L" (Lofoten) ist es nur eine halbe Stunde. Mehr oder weniger freiwillig zockeln wir dann mit 50 bis 60 km/h die Fjorde entlang. Ein erster großer Abschnitt besteht fast nur aus Baustelle, denn hier wird seit einiger Zeit schon der Hålogalandvei gebaut, der 2028 fertig werden soll. Das wird die Touristen-Rennstrecke auf die Lofoten. Ein bisschen graust mir davor - hoffentlich bleiben die alten, kurvigen Straßen bestehen. Hier zieht die Lisl sicher und sauber ihre Linie durch alle Biegungen. Perfekt.
Der erste von vielen Tunneln, die uns diese phantastische Landschaft vorenthalten, ist 6,5 km lang. Die dort herrschenden 16 Grad lassen mich frösteln. Es herrscht reger Verkehr, aber noch müssen wir kaum in einer Schlange fahren. Alledings können wir darum und mangels passender Ausweichstellen selten einen Fotostopp einlegen. So kann ich die Schönheit der krassen Berggipfel, der türkisblauen Fjorde, weißen Sandstrände und hier und da aus dem Wasser lugenden felsigen Nadelspitzen oder Kugelköpfe nur mit den Augen inhalieren. Ja, meditieren auf der Lisl während der schaukelnden Fahrt ist möglich.

Gegen Mittag kommt ein Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Meine Navigations-App findet gelegentlich ein herrlich kurviges, abgelegenes kleines Sträßchen, Schneefelder an den steilen Berghängen reichen mancherorts noch fast bis ins Tal. Wir möchten in Moskenes gerne die Fähre nach Bodø nehmen, eine 3 1/4 h Tour. Leider habe ich sehr spät nach dem Fahrplan geschaut und festgestellt, daß wir sie nur mit Müh und Not noch erwischen können. Das nächste Schiff geht erst 4 h später und erreicht Bodø gegen Mitternacht. Ungüstig. Ich möchte diesmal gerne am Saltstraumen übernachten, der etwa 30 min von der Stadt entfernt liegt. Aber wir liegen gut in der Zeit, vielleicht erreichen wir das Boot doch noch? Straßensperre! 30 km vor Moskenes. Der nächste, große Tunnel ist gerade eine Baustelle, er darf nur mit einem Follow me passiert werden. Nächste Durchfahrt ist in einer Stunde, sagt mir der Straßenwächter. Immerhin habe ich jetzt Zeit für eine kleine Pause, ein Vesper und die Entwicklung eines Plan B. In Moskenes übernachten? Dann muss ich um 8 Uhr früh an der Fähre sein! Mag ich nicht. Oder die späte Tour machen? Das wäre machbar, denn ich bin ja eine Nachteule und wir haben Mitternachtsonne. Im Tunnel ist es stockdunkel und klatschnaß. Die Straße ist mit Schlgalöchern gespickt. Blind folgen wir dem Leitfahrzeug.
Als es endlich losgeht, sagt mein Navi, daß wir das Schiff um ca. 20 min verpassen. Ich halte Ausschau auf's Meer, ob ich es irgendwo schon sichten kann, aber nein. Als wir um die letzte Ecke biegen, liegt es da noch im Hafen! Ob es wohl gewartet hat? Motorräder finden immer einen Platz - auch ohne gebuchtes Ticket. Ich muss nur meinen Namen und Geburtsdatum nennen, alles andere macht wohl irgendein Computer. Bis jetzt hab ich nichts bezahlt. Kaum ist die Lisl vertäut, schließt sich auch schon die Ladeluke und es geht los - das war Glück!

Während der Überfahrt wird es immer trüber, bis es schließlich in Strömen regnet. Sobald sich die Türen zum Parkdeck öffnen, eile ich, um die Regenklamotten auszupacken. Glücklicherweise hat es bei der Ankunft in Bodø fast aufgehört zu regnen, nur die Straße ist noch nass. Von hier aus sind es nur noch 30 km bis zu meinem geplanten  Übernachtungsplatz am berühmten Saltstraumen.

Ach ja, heute abend ist ja das "britische Quiz" - ein Onlinemeeting mit Wayne und seinen Freunden und Familie. Ich bin noch unterwegs und kann darum zwar nicht mitraten, aber ich kann mich einwählen und das Team kann über die Kamera mitfahren und mich beim Zeltaufbau beobachten.





Und hier die Strecke:

Donnerstag, 4. Juni 2026

Kann losgehen

Ich erwarte noch einige Bestellungen deren Ankunft bis 9.Juni geplant sind. Ausnahmsweise ist die Post diemal schneller als der Blitz und alle Päckchen sind schon heute angekommen. Statt zu Hause auf die Möbel aufzupassen treibe ich mich lieber auf der Straße rum. Hoffentlich hält die Lisl dicht genug bis Aschbuch - das Getriebe leckt wieder.
Meine Hütte muss ich natürlich "einsommern", d.h. Strom und Wasser abstellen, Toilette und Kühlschrank leeren, Badestamp leeren, reinigen und abbauen.

Die paar Tage Zeitgewinn geben mir die Möglichkeit, doch die "Wasserfallroute" anstatt der "Schweden-Rennbahn" zu nehmen. Wir werden also Norwegen weiter erkunden! Ab morgen....

Freitag, 29. Mai 2026

Packwahn

Je näher der Abreisetermin rückt, um so nervöser werde ich wegen der Vorbereitungen. Jetzt bin ich im Packwahn - völlig unorganisiert wandert alles auf einen Haufen, was mir in den Sinn kommt. Irgendwann fange ich an zu sortieren: Futter, Zelten, Klamotten, alles für die Lisl, Dokumente und Elektronik. Garantiert vergesse ich wieder die Hälfte, darum stöbere ich durch alte Packlisten.
Und vielleicht sollte ich auch nochmal checken, ob die Ausrüstung überhaupt vollständig und funktionstauglich ist? Insbesondere das Zelt. Es ist genauso alt wie der Anzug, also schon sehr alt für ein Zelt. In der Werkstatt wird es vor Lisls Augen aufgebaut - ja, alle Teile sind da und funktionieren wunderbar! Und der Kocher? Oh, der braucht etwas Pflege. Entrosten, frisch lackieren und trocknen, abdichten. Wird ein Weilchen dauern, bis ich prüfen kann, ob er wieder funktionert.

Samstag, 23. Mai 2026

Hindernisse?

Am 17.Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, hatten wir wirklich Feiertagswetter! Da bleibt man nicht zu Hause und wurschtelt herum, da macht man eine Tour! Nach Lødingen. Die Strecke führt schön kurvig entlang der Küste und um Fjorde. Hinter Lødingen gibt es eine kleine Ferienhaussiedlung, ein Schotterweg führt da durch bis zu einem entlegenen Bootssteg und einer vergessenen deutschen Flugabwehrkanone. 

In diesem Land gibt es nicht so viele Straßen wie z.B. in Deutschland, d.h. man muss entweder den gleichen Weg zurück nehmen oder eine viel größere Runde fahren. Das ziehe ich vor und nehme eine kurze Fähre über einen Fjord. Beim Verlassen der Fähre sind meine Handschuhe verschwunden! Ich habe sie unter die Jacke gesteckt und muss sie irgendwo verloren haben - nicht mehr auffindbar! Finanziell kein großer Verlust, aber ohne Handschuhe zu fahren fühlt sich nackt an. Und kalt. Aber es bleibt mir ja nichts anderes übrig.

Am nächsten Tag muß ich unter der Lisl leider eine Öllache entdecken! Sieht so aus, als ob es wieder der Simmerring am Getriebeausgang ist. Der wurde in Portugal vor 1,5 Jahren gleich zwei mal repariert - diese Reparaturen scheinen nicht lange anzuhalten. Da ich den Ring nicht selbst wechseln kann (Spezialwerkzeug) ist der Plan, hoffentlich bis nach Deutschland zu kommen, bei Bedarf Öl nachzufüllen und die Lisl bei meinem genialen Mechaniker in Pflege zu geben. Daume drücken ist angesagt.

Nicht nur die Lisl wird langsam altersschwach (nach 38 Jahren!), sondern auch mein Anzug - der ist "erst" 14 Jahre alt. Nach und nach musste ich schon diverse Reißverschlüsse ersetzen, jetzt klemmt der Wichtigste, vorn an der Jacke. Also auch hier wird die Reparatur vorbereitet: der Hersteller wird mir ein neues Teil nach Aschbuch schicken wo Freundin Christa ihn dann hoffentlich einnähen wird sobald wir dort ankommen. Bis dahin kann ich als Notlösung ein Belüftungszwischenteil nutzen.