Freitag, 26. Juni 2026

geschäftige Fahrpause

Ich hab nachgerechnet - der erste Abschnitt (Liland - Aschbuch) war mit 3500 km grob geplant, Feinplanung ergab 3972 km - tatsächlich sind es in 14 Tagen 4215 km (inklusive Fähren) geworden. Ich könnte etwas Ruhe gebrauchen, aber die Lisl benötigt Pflege. Da bin ich ordentlich eingespannt.

Neue Reifen, vorn und hinten, ganz dringend! Die Bremsbeläge sind unerwartet gut, also kein Tausch. Der Auspuff hat ein kleines Loch mit großer Wirkung: die Lisl patscht und ruckelt im Schiebebetrieb. Aber der gesamte Endantrieb, die Schwinge und das Getriebe müssen raus, denn irgendwo geht Getriebeöl verloren. Ganz nackig steht die arme Lisl nun auf der Hebebühne im Keller. Die Getriebe gehen in die Werkstatt, der Kardanwellencheck ergibt noch ein ok. Nach dem Wiedereinbau des Getriebes funktionieren ein paar Kontrolllampen nicht - die Fehlersuche kostet mich ordentlich Zeit. Bei der Gelegenheit gibt's natürlich noch einen "großen" Ölwechsel und ein paar Einstellarbeiten.
Und ein paar Optimierungen wie z.B. die Navi-Halterung. Die setze ich höher, denn sie kollidiert ständig mit dem Tankrucksack oder der Trinkflasche.
Ein Blinker leuchtet nicht mehr vollständig. Ich habe vor einiger Zeit die riesigen Glühlampenblinker gegen niedliche kleine Lauflichtblinker ausgetauscht und nun sind an einem der Blinker 2 LEDs ausgefallen. Da ich nicht genau die gleichen Blinker bekommen habe, muss ich mit der Befestigung ein wenig tricksen. Immerhin passt die Elektrik zusammen.

Weitere "Arbeiten" an der Ausrüstung: meine Brille ist gebrochen, der Spitzenoptiker Dirk bekommt das für kleines Geld innerhalb eines Tages wieder perfekt hin. Der Behälter für Ersatzöl ist locker und mein Spazierstock ist abgebrochen. Die Reißverschlüsse an den Tanktaschen sind schon lange kaputt, aber nun hält auch der Ersatz mit Klettband nicht mehr richtig. Ach ja, mein Anzug ("erst" 14 Jahre alt) braucht ein paar neue Reißverschlüsse, die Freundin Christa einnäht.

Während die Lisl auf der Hebebühne auf reparierte Teile wartet, beschäftige ich mich mit kleineren Reparaturen oder Services an weiteren Fahrzeugen - langweilig wird mir nicht! Außerdem ist es sengend heiß (34 Grad), so daß eigentlich jede Bewegung zu viel ist.

Von der Getriebefront in der Werkstatt ist nichts zu hören, ich werde ganz schön nervös. Ach - Matthias hatte meinen Terminplan nicht mehr auf dem Schirm - Teile sind bestellt und vielleicht werden die Brocken am Samstag fertig. Wie bitte??? Ich brauche sie heute, am Donnerstag! Einbau am Freitag (da darf nichts schief gehen!), am Samstag bin ich ausgebucht und am Sonntag geht's los nach Königsberg. Dort muss ich mich am Montag um Mieter kümmern. Jede Sekunde zählt...

Donnerstag 15:30: Matthias meldet sich - ein einer halben Stunde ist der Endantrieb fertig! Sofort los! Trotz Videozusamamenkunft beginne ich schon mal, ein paar Teile einzubauen. Ob ich da so konzentriert bin?

Freitag abend (26.6.): Die Lisl sieht wieder gut aus. Keine Schrauben sind übrig, Motor läuft, sie fährt, die Elektrik macht keine dummen Sachen und sie quietscht auch nicht mehr. Dafür war allerdings nochmal ein Experteneinsatz erforderlich. Unseren Werkstattkeller durfte die Lisl um 15:30 Uhr verlassen, für eine Probefahrt zum Meister Matthias. Bei 39,5 Grad Celsius!!! Matthias musste ihr noch das Quietschen abgewöhnen, war aber dann mit seiner Testfahrt zufrieden. Wieder in Aschbuch stelle ich fest, daß der Auspuff noch nicht richtig sitzt, aber da kann ich heute und morgen nichts daran machen. Ob da der Sonntag morgen reicht? Da möchten wir doch schon gerne (bepackt natürlich) aufbrechen.



Zusammenfassung des ersten Abschnitts:

Donnerstag, 18. Juni 2026

Erste Etappe fertig

Nach einem guten Schlaf wache ich dennoch müde und schwindlig auf. Heute haben wir noch eine lange Tour vor uns. Sebastian kredenzt mir noch ein gutes Frühstück und dann brechen wir frühzeitig auf. Die Regenjacke wandert ins Gepäck und im Lauf des Tages lege ich noch 2 weitere Lagen ab. 34 Grad zeigt mein Thermometer an!

Ein Zwischenstop ist geplant, liegt aber passend am Weg. Beim Quad-Händler, von dem ODIN stammt, habe ich noch unbekannte Schulden, die ich gerne los werden möchte. Der Besuch entwickelt sich zu einem längeren Kaffeeplausch und gibt mir wieder genug Energie für das letzte Stück von ca. 100 km.

Straßensperrung! Nicht die Einzige heute. Scheint irgendwie Spaß zu machen, einfach mal Sperrschilder aufzustellen, die Baustelle nicht genau zu lokalisieren und auch keine vernünftige Umleitung anzugeben. Nachdem wir bei den ersten Sperrungen  in völlig falsche Richtungen gelenkt werden und Kurti mangels Internet wieder nicht helfen kann, versuchen wir unser Glück einfach nach Himmelsrichtung. Es scheint zu klappen...bis wir nach längerer, schöner Fahrt auf kleinsten Querfeldeinwegen (asphaltiert) wieder am - diesmal nicht angekündigten - Sperrschild stehen. Jetzt wird es uns zu dumm und wir fahren einfach mal weiter. Immer eindringlicher werden die Verbotsschilder, aber wir spielen einfach "Anlieger" und fahren weiter. Irgendwann sitzen 2 Strichemaler auf der Straße, die sich aber überhaupt nicht um uns kümmern, als wir sie langsam passieren. Und schon sind wir am Ende der Baustelle und auf unserer eigentlichen Route angekommen. Auf dieser Route ist weit und breit nichts von Bauarbeiten zu sehen! Immer wieder tauchen diese doofen Schilder auf und wollen uns durch die Welt schicken. Langsam wird es uns zu dumm und immer häufiger ignorieren wir sie einfach und fahren, bis es wirklich nicht mehr weitergeht. In einem Fall ist die tatsächliche Baustelle nur sehr kurz und leicht via einer Siedlung zu umfahren. Ein anderes mal nehmen wir einfach die halbfertige Trasse unter die Räder, bis uns tatsächlich Bagger und Erdhügel stoppen. Na gut, dann weichen wir eben ein Stück weit auf den nebenan verlaufenden Radweg aus - das geht auch. Und niemand scheint es zu stören. Dieses Theater kostet einfach nur unnötig Nerven!

Trotz allem rollen wir um 18 Uhr durch die letzte Baustelle, direkt vor der Haustür. Irgendwie habe ich keine Ruhe, obwohl ich todmüde bin. Die Lisl wird komplett abgepackt. Sie muss jetzt erstmal in die Klinik. Das heißt, für gut 1 Woche herrscht jetzt Fahrpause, bis die zweite Etappe, vermutlich am 28. oder 29., beginnt.

Und hier die Strecke (3.500 km gesamt waren geplant, jetzt sind es ca. 4.160 inklusive Fähren in 14 Tagen geworden!):


Mittwoch, 17. Juni 2026

Um Lei Tung

Bereits um 9 Uhr sind wir abfahrtsbereit. Im Schwimmbad nebenan ist ein Bus mit Schulkindern angekommen, die haben heute sicher einen tollen Tag! Unser Kurti findet heute vormittag wunderbare kleine Sträßchen. Feldwege sind zwar nicht dabei, aber in vielen der abgelegenen, kleinen Ortschaften oder gar dazwischen muß die Lisl grobes Pflaster, teilweise mit sehr großen oder tiefen Löchern,  bezwingen. Einige der Wege sind vermutlich ehemalige Panzerstraßen. Aber auch asphaltierte Straßen sind oft kaum in besserem Zustand. Arme Lisl - aber wer schon auf der ganzen Welt war, kann "das bisschen Deutschland" doch sicher gut wegstecken?! Lustige Ortsnamen gibt es hier: Quassel, Kummer und Lüge sind nur drei Beispiele.

Am späten Vormittag lädt ein Café zum Frühstücksstop ein. Auf dem Parkplatz davor mustert eine alte Oma, zittrig am Krückstock stehend, die geparkte Lisl. Dann schaut sie mich an und sagt sehr beeindruckt nur "Mann, Mann, Mann...!" Natürlich bekommt jetzt auch die Lisl ihr Frühstück - huch, die Benzinpreise sind ja höher als in Nordnorwegen?!

Erst um die Mittagszeit sind wir dort angelangt, wo ich für gestern die Übernachtung eingeplant hatte. Das hätten wir nie geschafft! Nächstes Ziel ist mein ehemaliger Kollege, Posaunenchornachbar und Freund Sebastian in Naumburg. Kurt sagt die Ankuft für 14 Uhr voraus - tatsächlich kommen wir um 17 Uhr an. Was ist geschehen? Magdeburg wollten wir eigentlich elegant links liegen lassen, aber da macht uns der chinesiche Verkehrsminister mit seinen Umleitungen einen Strich durch die Rechnung. Straßensperrungen, wohin man schaut. Teilwiese sind Umleitungen gar nicht oder nur sehr dürftig auschgeschildert, oder kurz vor dem Ziel gibt's eine neue Sperre. Es ist zum Verzweifeln! Wir irren in komplett falsche Richtungen, und dann gibt Kurt auf. Völlig kopflos dreht er nur noch am Rad und empfiehlt uns, 115 km zurückzufahren! Selbst die zugrunde liegende Karte ist plötzlich verschwunden - vermutlich wurde bei den Straßengrabungen auch das Internet gekappt... 40 Minuten Zeit und viele Nerven verlieren wir alleine in Magedburg. Ein ähnliches Erlebnis haben wir in Staßfurt, etwas später. Dort sind es "nur" 15 Minuten Zeitverschwendung.

Zur Versöhnung gibt es dann aber bis Naumburg noch einige herrliche Kurven, die wir nur leider nicht so richtig genießen können: ich bin schon ganz schön müde und die Lisl schlackert nur noch mit dem Lenker, ihr tun wohl die abgefahrenen Füße weh.

Müde und abgekocht (im Lauf des Tages ist es sehr warm geworden) laden wir uns dann bei Sebastian, Anne und den Kindern ein. Die Lisl darf sogar in der neuen Garage schlafen, ich bekomme ein Bett und werde vorher noch herrschaftlich bewirtet. Herzlichen Dank!


Und hier die Strecke:

Dienstag, 16. Juni 2026

Nix Besonderes?

Keine besonderen Vorkommnisse. Oder doch? Zuerst läuft alles wie gewohnt - gut geschlafen, gemütlich aufgestanden, zuügig wird alles gepackt. Aus den Schuhen reiselt immer noch der Sand von vorgestern. Wir sind fertig, Helm und Handschuhe bereits angezogen. Start! Ach neee - die Batterie ist total leer! Hab ich Dummerle das Laptop über Nach geladen, statt am Tag während der Fahrt. Da folgt die Strafe eben auf dem Fuße. Also gut, wozu hat man ein Starthilfe-Batteriepack dabei? Das grabe ich aus und lege die Batterie frei - dazu muss natürlich die Hälfte des Gepäcks wieder runter. Und dann? Natürlich ist auch die Powerbank ohne power! Grrr. Auf der anderen Straßenseite liegt ja der Bauernhof von Gesches Sohn, also marschiere ich dorthin. Ich erwische den jungen Mann gerade noch, als der mit dem Traktor weg will. Aber er könnte mir sowieso nicht helfen, denn seine Batterie ist viel zu stark. Aber sein Vater - den ruft er per Telefon zu Hilfe.

Die Lisl schiebe ich aus dem Garten mit dem weichen Gras (ist ganz schön anstrengend) auf den befestigten Parkplatz vor dem Haus. Und schon ist auch der Papa mit einem riesigen Traktor und einem überdimensionalen Starthilfekabel da. Aber er kann anscheinend auf 12 V umschalten. Zack - die Lisl springt sofort an. Sie ist ja zuverlässig! Die Dumme bin nur ich, die jetzt zwar den Motor laufen läßt, bis alles Gepäck hergetragen ist, aber dummerweise im Standgas. Dabei wird keine Batterie geladen, sondern eher entladen. Ich bemerke das gerade noch rechtzeitig und kann das Gas höher drehen. Von 11 V muss nun hochgeladen werden! Dumm, ärgerlich, Zeitverlust. Eine Lektion gelernt, sonst ist nix passiert.

Auf geht's Richtung Lübeck, dort möchte ich die selten Gelegenheit nutzen, meine alte Freundin Karin zu besuchen. Sie ist leider in keiner guten Verfassung und nicht mehr mobil - dafür freut sie sich umso mehr über unseren Überraschungsbesuch. Bevor ich wieder aufbreche, suche ich noch nach dem nächsten Schlafplatz und werde auch wieder fündig. Allerdings glaubt Sandra, daß ich sie heute nicht mehr erreichen werden. Wieso? Sind doch nur 200 km? Oh je, hab ich mal wieder nicht nachgedacht! Natürlich schaffen wir das nicht. Kurt findet ja die tollsten Ministräßchen durch Alleen, Wälder und zwischen Feldern. Auch gegen ein paar Straßensperrungen findet er schnell Lösungen,

Wir finden jetzt einen sehr schönen Platz im Kiefernwald auf dem Parkplatz am Waldbad in Alt-Jabel. Was, das kennt niemand? Der Ort hat doch bestimnmt 203 Häuser!  Also gut, das liegt grob gesagt zwischen Lübeck und Magedburg in der Nähe von Vielank. 

Ach ja, auch in Deutschland gibt es Fähren - heute nutzen wir eine über den Nord-Ostsee-Kanal. Aber erst, nachdem die vorfahrtberechtigten Super-Schiffe durch sind.




Und hier die Strecke:

Montag, 15. Juni 2026

Dänemark? Nicht mein Land

Um 6:20 Uhr bechließe ich, den unzähligen, erfolglosen Einschalfversuchen ein Ende zu setzen und aufzubrechen. In der Nacht hat es oft geregnet, jetzt bläst ein starker Wind und läßt die Zeltwände laut knattern. Es ist nicht ganz einfach, das Zelt bei diesem Gebläse in seinen Sack zu stopfen ohne daß es fortfliegt, aber schließlich sind wir aufbruchbereit. Mit Sand in den Schuhen und im Zelt. Die hiesigen "Berge" unterscheiden sich ein wenig von unseren norwegischen - sie sind begrünt, abgerundet und vielleicht 3 m hoch? Kurt gibt sein Bestes, Kurven zu finden, diese beschränken sich aber auf das abzirkeln von Feldern oder Wiesen. Dazwischen verläuft alles kerzengerade und eben. Super für Radfahrer, todlangweilig für uns. Vielleicht kann ich dabei eine Mütze Schlaf nachholen? Ich hab sogar verschlafen, die Trackaufzeichnung einzuschalten...

Ab Hanstholm soll das Gebiet Nationalpark sein. Ich fürchte, wir haben die falsche Straße genommen und fahren zu weit im Landesinneren. Schade. Nur den letzten Zipfel bekommen wir mit: ausgedehnte, sehr flache, riesige Seeflächen mit jeder Menge Vögel. Entlang des Ufers ziehen Salzablagerungen weiße Linien. Ein großes Stück verläuft die gerade Straße auf einem schmalen Landstreifen zwischen See und Meer, dann endet sie an der Fähre. Autsch - teuer! Und dann steige ich nicht rechtzeitig ab und stelle die Lisl auf den Ständer, so muß ich im Sitzen die Balance halten. Die Überfahrt gestaltet sich viel länger als gedacht und es herrscht eine starke Dünung, fast könnte ich schon seekrank werden. Es ist sehr anstrengend, das Gleichgewicht zu halten, darum bitte ich ein Crewmitglied, die Lisl festzuhalten, während ich sie abstelle. Viel besser, danke!
Also - Dänemark ist nicht mein Lieblingsland!

Die Lisl macht mir etwas Sorgen (abgesehen von ihren Schuhen), im Teillastbetrieb läuft sie nicht rund, im Schub patscht sie häufig, ruckelt und gelegentlich höre ich einen harten Schlag. Die schlimmsten Ursaachen gehen mir durch den Kopf. Gas- und Choke-Züge? Leerlaufdrehzahl? Gemischregulierung? Aber ich habe ja nicht plötzlich etwas verstellt. Eigentlich sollte keiner dieser Gründe zutreffen. Vielleicht kann ich das ja in Aschbuch klären? Die Kardanwelle? Hat ja nichts mit dem Motorlauf zu tun, nur eventuell mit den Schlägen. Irgendwie klingt sie auch lauter. Fehlt am Auspuff eine Zugfeder? Oder zieht sie am Luftfilter falsche Luft? Beim abendlichen Check stelle ich fest, daß am Sammler ein Loch zu sehen ist - das könnte der Grund sein. Das ist nicht schlimm, nur laut. Sollte in Aschbuch auf die Reparaturliste kommen.

Nach ca 400 Tageskilometern - eine starkeLeistung - möchten wir uns in Flensburg von Deutschland begrüßen lassen. Es ist saukalt geworden! Tante Google findet rasch ein Café in einer Bäckerei im "Skandinavienmarkt". Es ist gemütlich dort und ich schlemme bei Cappuccino, Amerikaner und Marzipanplunder. Dann überlege ich, wie und wo wir nächtigen wollen. Wild? Oh, es gibt doch "1nite Tent" - fällt mir da ein. Da finde ich eine ganze Menge in der Umgebung! Auf dieser Plattform werden in Deutschland private Plätze angeboten, wo man, im Prinzip, für 1 Nacht gratis zelten kann. Oft ist das im Garten, machmal sogar mitten in einer Stadt, ursprünglich mal für Radfahrer oder Backpacker gedacht, aber mittlerweile anscheinend auch für ein breiteres Publikum.

Bei den ersten dreien geht nur der Anrufbeantworter ran, dann nimmt eine freundliche Frau ab und heißt mich herzlich willkommen. In einer 3/4 Stunde sind wir da. Gesche ist echt ein Volltreffer! Eine sehr nette Frau, etwa in meinem Alter, Tierärztin (wie sich herausstellt), begeht mit mir das Grundstück, damit ich mir den besten Platz aussuchen kann. Der ist unterm Apfelbaum (bei den Maulwürfen), auf dem fein gemähten Rasen mit weichem, leicht moosigen Untergrund. Die Lisl bekommt zur Sicherheit gegen Einsinken ihr Vesperbrettchen unter den Ständer. Ich darf ALLES benutzen! Die liebe Gesche macht mir eine Thermoskanne heißen Tee, richtet mir vor dem Strandkorb ein Tischchen mit eigenen Erdbeeren und einer Flasche ganz frischer Kuhmilch her! Ihr Sohn betreibt gegenüber eine Milchwirtschaft. So eine leckere Milch habe ich schon 30 Jahre nicht mehr bekommen! Wow, geht es uns heut Abend gut!


Und hier die Strecke:

Sonntag, 14. Juni 2026

Hadde, Norge

Es war gut, heute diese Hütte zu buchen - meine Klamotten (außer dem Zelt) sind nun trocken und bis ich loskomme hört auch der feine Nieselregen auf. Ich bin gespannt auf den Preis - und ein bisschen enttäuscht, daß es bei den 435 kr bleibt. Die Erklärung ist: normalerweise müßte man noch 200 kr für die Reinigung bezahlen, aber die hat er wohl bei dem Schotten vergessen zu berechnen. Das haben dann 2 hinter ihm stehende Motorrradfahrer mitbekommen und ebenfalls eingefordert und ich war nun die vierte, die diesen Preis bekommt. Aber auf diese Weise kommen wir in eine nette Unterhaltung, ich bekommen einen Kaffee und ein Kompliment für meine gute Sprache.

Die Straßen sind noch naß, aber von oben strahlt die Sonne vom weiß-blauen Himmel - Kaiserwetter! Die Regenmontur bleibt trotzdem angezogen. Gemütlich schlendern wir durch grüne Auen und Wälder, immer schön abseits der Hauptstraßen. Gut gemacht, Kurt. Mit der Entfernung anch Kristiansand habe ich mich ziemlich vertan, ich habe mit 100 km mehr gerechnet. So sind wir halt schon um die Mittagszeit im richtig warmen Kristiansand. Eine hübsche Strandpromenade finden wir leider nicht, wohl auber ein schönes Plätzchen am Ufer der Otra. An der Tanke hinter uns gibt's was zu essen und zu trinken, die Regenhose und die Lenkerstulpen wandern nun endlich in eine Tasche. Die Jacke schnalle ich komplett auf das Topcase - aber nur bis zum Hafen. Es ist so warm. Wir müssen ein paar Stunden bis zum Checkin warten, ist halt heut ein Entspannungstag!

Schiff Ahoi, heißt esgegen 16 Uhr. Horden von Motorradfahrern verlassen es bevor wir 5 (2 Dänen, 1 Engländer, 1 Italiener und die Lisl) es entern dürfen. Kaum an Bord, prasselt der nächste Regenschauer nieder - das ist Timing! Es ist eine ruhige und rasche Überfahrt, dafür scharrt das Motorradvolk mit den Hufen und die Motoren röhren bereits, bevor sich die Luke öffnet. Hier in Dänemark ist es bewölkt aber trocken. Kurt leitet uns brav auf Abwegen die Küste entlang. Schon bald steigt mir der unvermeidliche, dänische Schweinegeruch in die Nase und kurz darauf finden wir ein geschotterstes Sandsträßchen zum Strand. Das heißt, zu den Dünen. Denn diese sind steil und hoch, der Sand ist tief und jeder Schritt vorwärts rutscht wieder ein Stück zurück. Ganz bis zum Wasser wandere ich darum nicht. Wir haben ein schönes Plätzchen hinter den Dünen auf festem, sandigem Untergrund mit etwas Gras. Die Lisl steht sicher und die frische Brise bringt das Zelt bereits während des Aufbaus zum fliegen. Lass ich halt den Drachen noch ein wenig steigen, dann wird er in Windeseile trocken! Gleiches gilt für alle weiteren nassen Ausrüstungsgegenstände. Auch für morgen ist kein Regen angekündigt, das macht Hoffnung! 

Oh, Überraschung - ein Schauer! Schnelle Flucht ins Zelt...


Und hier die Strecke:

Samstag, 13. Juni 2026

Schaurig-schön

Das Spannende am Motorradfahren und Campen ist ja, daß man der Natur ganz nah ist und das Wetter sozusagen "hautnah" mitbekommt! Auch jeden Regenschauer. Schaurig - schön! So hat das Wetter den ganzen Tag mit uns gespielt. 

Trotz der Nähe zur Straße - wir nächtigen quasi in einer größeren Ausweichstelle - kann ich gut schlafen. Die Autos lärmen auf der nassen Straße so laut, daß ich mein Telefon nicht verstehen kann; zu guter Letzt flaniert auch noch die Jugend mit Lautsprecher-bum-bum vorbei. Dann bin ich eingeschlafen.
Beim morgendlichen Zeltabbau ist es - zumindest von oben - kurz trocken. Allerdings muss ich das Zelt trotzdem naß einpacken, genauso wie meine Klamotten mich naß eingepacken- die sind noch genauso klatschnaß wie gestern abend. Bei der Abfahrt fängt es an zu nieseln, darum kann uns der Låtefoss ja auch gar nicht naß spritzen, wie sonst. Mit Wasserfällen bin ich jetzt satt und verzichte gerne auf einen größeren Abstecher zum Langfoss.


Ach, sind die Norweger so stolz auf ihre Tunnel, die wir gar nicht schätzen! Überall werden neue gebaut oder an den bestehenden verbessert. Wir sind allerdings froh, daß die alten Bergstraßen oft noch vorhanden sind und ziehen diese vor. Leider verpassen wir häufig die Einfahrt weil sie natürlich selten ausgewiesen wird, oder Kurt oder ich schlafen. Verpaßt - umgedreht - gefunden - gesperrt! So schade, also dröhnen wir doch durch den 6 km langen Tunnel. Auf der anderen Seite ist das Sträßchen auch gesperrt, aber hier kann man auf 800 m Höhe wenigstens die Schneefelder sehen, die die Durchfahrt versperren.

Nun windet sich so ein Bergsträßchen zum Haukelifjell bis auf elfhundertnochwas Meter hinauf. Brr - unter 10 Grad und nasse Klamotten...
Immer wieder treffen wir auf die Hauptstraße und zweigen wieder davon ab. An eine Strecke erinnere ich mich, die wollte ich schon öfter mal fahren, aber sie war jedesmal gesperrt. Diesmal ist die Schranke offen, also nichts wie hinein in die moorige, eisige Hochebene. Sehr schön! Und die nächste Tunnelüberfahrung? Die beginnt total unsichtbar, wie eine vergessene Einfahrt. Wir versuchen uns trotzdem und werden auf halber Strecke von einem Schneefeld gebremst. Hm. Ca. 20 cm Asphaltstreifen lugt noch darunter hervor, dann hindert die Leitplanke. Wir werden uns trauen! Ja, es hat geklappt, aber mir zittern die Knie ein wenig. Kurz darauf kommt uns ein Auto entgegen, also ist die weitere Strecke frei. Und plötzlich wird es warm - ganze 13 Grad! Oh ja, wir sind ja auch nur noch auf 700 m Höhe.


Und schon wieder so ein einsames, schönes Kurvensträßchen anstatt eines tristen, dunklen Tunnels. Herrlich! Die Straßenbegrenzung besteht hier nur aus einzelnen großen Steinen, die eher Markierung als Schutz bieten, Mir gefällt das super gut!

Meine Mittagspause teile ich vor dem Supermarkt sitzend mit einem Schotten. Er gibt uns einen guten Tip: in Evje ist ein Campingplatz mit sehr gemütlichen und günstigen Hütten. Da meine Biker-bunker-Versuche gescheitert sind, und das Wetter wirklich ständig zwischen Schauer und trocken wechselt, gewöhne ich mich an den Gedanken, die letzte Nacht in Norwegen in einer trockenen Unterkunft zu verbringen.

Die letzten Kilometer bis Evje (natürlich auf Abwegen) stresst mich ordentlich. Eigentlich freuen wir uns ja über Erdwege, aber dieser ist nicht geschottert, die Oberfläche ist erdig, naß und rutschig, jede Menge Spurrillen und ab und zu eine tiefe Schlammspur. Lisls abgelaufene Schlappen bieten hier kaum Halt, darum zockeln wir das Stück im Schneckentempo mit verkrampften Händen entlang. Ohne Sturz geschafft. 

Ankunft am Campingplatz ist wenige Minuten vor 17 Uhr - die Rezeption ist erst ab da besetzt. Man darf sich überall einen Platz suchen, aber für eine Hütte soll man anrufen. Gerade als ich das Telefon ausgepackt habe, trifft der Chef ein. Ein netter Mann, mit dem ich mich lustig unterhalte und auf den mir genannten guten Preis hinweise. Der Computer will nicht, also soll ich morgen früh einchecken und bezahlen, aber der Preis ist normalerweise 435 Kronen (ca 40 €) plus Bettwäsche plus Reinigung. Im Selbstgespräch findet eine Preisentwicklung statt: Bettwäsche hast Du? Ah, Schlafsack geht auch. Du verläßt die Hütte sauber geputzt, also entfällt diese Gebühr. Und jeder vierte Motorradfahrer bekommt Rabatt...ja, ich glaube, heute waren schon 1,2,3 da - Du bist die vierte! Na, da bin ich mal auf den Preis morgen gespannt!

Ich bekomme gleich die erste Hütte hinter der Rezeption. Dort ist auch schon der Sanitärbereich - die Küche ist in einem anderen Gebäude. Aber die werde ich nicht brauchen. Der Schlüssel steckt gerade erst im Schloss, da öffnet Petrus wieder die Schleusen - nicht mal mehr abpacken kann ich, so kübelt es! Drin ist es kuschelig warm und trocken und meine Elektronik freut sich über grenzenlosen Strom. Ich warte bis zur nächsten Regenpause, um mein Gepäck abzuladen.

Und hier die Strecke: