Samstag, 13. Juni 2026

Schaurig-schön

Das Spannende am Motorradfahren und Campen ist ja, daß man der Natur ganz nah ist und das Wetter sozusagen "hautnah" mitbekommt! Auch jeden Regenschauer. Schaurig - schön! So hat das Wetter den ganzen Tag mit uns gespielt. 

Trotz der Nähe zur Straße - wir nächtigen quasi in einer größeren Ausweichstelle - kann ich gut schlafen. Die Autos lärmen auf der nassen Straße so laut, daß ich mein Telefon nicht verstehen kann; zu guter Letzt flaniert auch noch die Jugend mit Lautsprecher-bum-bum vorbei. Dann bin ich eingeschlafen.
Beim morgendlichen Zeltabbau ist es - zumindest von oben - kurz trocken. Allerdings muss ich das Zelt trotzdem naß einpacken, genauso wie meine Klamotten mich naß eingepacken- die sind noch genauso klatschnaß wie gestern abend. Bei der Abfahrt fängt es an zu nieseln, darum kann uns der Låtefoss ja auch gar nicht naß spritzen, wie sonst. Mit Wasserfällen bin ich jetzt satt und verzichte gerne auf einen größeren Abstecher zum Langfoss.


Ach, sind die Norweger so stolz auf ihre Tunnel, die wir gar nicht schätzen! Überall werden neue gebaut oder an den bestehenden verbessert. Wir sind allerdings froh, daß die alten Bergstraßen oft noch vorhanden sind und ziehen diese vor. Leider verpassen wir häufig die Einfahrt weil sie natürlich selten ausgewiesen wird, oder Kurt oder ich schlafen. Verpaßt - umgedreht - gefunden - gesperrt! So schade, also dröhnen wir doch durch den 6 km langen Tunnel. Auf der anderen Seite ist das Sträßchen auch gesperrt, aber hier kann man auf 800 m Höhe wenigstens die Schneefelder sehen, die die Durchfahrt versperren.

Nun windet sich so ein Bergsträßchen zum Haukelifjell bis auf elfhundertnochwas Meter hinauf. Brr - unter 10 Grad und nasse Klamotten...
Immer wieder treffen wir auf die Hauptstraße und zweigen wieder davon ab. An eine Strecke erinnere ich mich, die wollte ich schon öfter mal fahren, aber sie war jedesmal gesperrt. Diesmal ist die Schranke offen, also nichts wie hinein in die moorige, eisige Hochebene. Sehr schön! Und die nächste Tunnelüberfahrung? Die beginnt total unsichtbar, wie eine vergessene Einfahrt. Wir versuchen uns trotzdem und werden auf halber Strecke von einem Schneefeld gebremst. Hm. Ca. 20 cm Asphaltstreifen lugt noch darunter hervor, dann hindert die Leitplanke. Wir werden uns trauen! Ja, es hat geklappt, aber mir zittern die Knie ein wenig. Kurz darauf kommt uns ein Auto entgegen, also ist die weitere Strecke frei. Und plötzlich wird es warm - ganze 13 Grad! Oh ja, wir sind ja auch nur noch auf 700 m Höhe.


Und schon wieder so ein einsames, schönes Kurvensträßchen anstatt eines tristen, dunklen Tunnels. Herrlich! Die Straßenbegrenzung besteht hier nur aus einzelnen großen Steinen, die eher Markierung als Schutz bieten, Mir gefällt das super gut!

Meine Mittagspause teile ich vor dem Supermarkt sitzend mit einem Schotten. Er gibt uns einen guten Tip: in Evje ist ein Campingplatz mit sehr gemütlichen und günstigen Hütten. Da meine Biker-bunker-Versuche gescheitert sind, und das Wetter wirklich ständig zwischen Schauer und trocken wechselt, gewöhne ich mich an den Gedanken, die letzte Nacht in Norwegen in einer trockenen Unterkunft zu verbringen.

Die letzten Kilometer bis Evje (natürlich auf Abwegen) stresst mich ordentlich. Eigentlich freuen wir uns ja über Erdwege, aber dieser ist nicht geschottert, die Oberfläche ist erdig, naß und rutschig, jede Menge Spurrillen und ab und zu eine tiefe Schlammspur. Lisls abgelaufene Schlappen bieten hier kaum Halt, darum zockeln wir das Stück im Schneckentempo mit verkrampften Händen entlang. Ohne Sturz geschafft. 

Ankunft am Campingplatz ist wenige Minuten vor 17 Uhr - die Rezeption ist erst ab da besetzt. Man darf sich überall einen Platz suchen, aber für eine Hütte soll man anrufen. Gerade als ich das Telefon ausgepackt habe, trifft der Chef ein. Ein netter Mann, mit dem ich mich lustig unterhalte und auf den mir genannten guten Preis hinweise. Der Computer will nicht, also soll ich morgen früh einchecken und bezahlen, aber der Preis ist normalerweise 435 Kronen (ca 40 €) plus Bettwäsche plus Reinigung. Im Selbstgespräch findet eine Preisentwicklung statt: Bettwäsche hast Du? Ah, Schlafsack geht auch. Du verläßt die Hütte sauber geputzt, also entfällt diese Gebühr. Und jeder vierte Motorradfahrer bekommt Rabatt...ja, ich glaube, heute waren schon 1,2,3 da - Du bist die vierte! Na, da bin ich mal auf den Preis morgen gespannt!

Ich bekomme gleich die erste Hütte hinter der Rezeption. Dort ist auch schon der Sanitärbereich - die Küche ist in einem anderen Gebäude. Aber die werde ich nicht brauchen. Der Schlüssel steckt gerade erst im Schloss, da öffnet Petrus wieder die Schleusen - nicht mal mehr abpacken kann ich, so kübelt es! Drin ist es kuschelig warm und trocken und meine Elektronik freut sich über grenzenlosen Strom. Ich warte bis zur nächsten Regenpause, um mein Gepäck abzuladen.

Und hier die Strecke: