Sonntag, 16. August 2026

Galhøpiggen, wo bist Du?

Die Nacht habe ich bei 6 Grad mit meiner Bettflasche verbracht, bis mich morgens eine Kuhherde weckt. Es nieselt und die Wolken hängen immer um uns herum. Um 10 Uhr starten wir - vorerst ohne Regenhose - Richtung Sognefjell. Die engen Serpentinen schafft die Lisl meist im zweiten Gang bei nur 1400 U/min! Oben auf dem Fjell sind wir mitten in den Wolken, es nieselt. Bei der Abfahrt gebe ich dann nach und krame die Regensachen heraus - ein bisschen spät, meine Hose ist schon nass.

Von der Hardangervidda über das neblig-feuchte Sognefjell nach Jotunheimen (Heimat der Riesen), wo sich Norwegens höchster Berg "Galhøpiggen" versteckt. Obwohl das der mit 2469 m der höchste Gipfel hier ist, kann man ihn nirgends erspähen. Der einzige Ort, von dem aus man einen Blick erhaschen könnte ist das Sommerskigebiet an der Juvasshytta. Eine 15 km lange kostenpflichtige (150 kr) Sackgasse führt dorthin. Die Straße ist schmal, asphaltiert und in recht gutem Zustand. Allerdings sind die Ränder nicht begrenzt oder markiert, was mir in manch unübersichtlichen Kurve ein wenig Angst einjagt. Herrliche Ausblicke entschädigen dafür. Oben angekommen (1884 m) versteckt sich der Gipfel dann in Wolken, die selbst der kalte Wind (3 Grad!) nicht wegwischt. Vermutlich kennt wegen des guten Verstecks auch niemand den Riesen, der dort lebt?

Neben dem aktuell geschlossenen Skigebiet gibt es einen "Klimapark". Herzstück ist ein in den Gletscher gehauener Eistunnel (schenke ich mir). Von außen sieht man das weiß überdachte Eingangstor und eine große Geröllhalde unter der sich anscheinend ein Gletscher versteckt.

Wieder im Tal Richtung Lom ist es mit 18 Grad angenehm warm, nieselt dafür aber auch wieder ein wenig. Nach einer langen Pause, in der die Lisl Benzinsaft, ich einen Kaffee und das Laptop einen Elektroschock bekommen, geht's dann weiter. Auf der Fahrt begleitet uns die Leira, die auf dem Sognefjell als Rinnsal entspringt, schnell wächst und sich nach mehreren Seen als schäumender Fluß im Ottadalen entleert. Eine gut ausgebaute Straße führt uns nun Richtung Stryn, bis wir nach Norden zum Geiranger abbiegen. Der "gammle Strynesfjellsweg" reizt mich, aber er besteht überwiegend aus Schotterwegen, darum verkneifen wir uns diesen Umweg. Stattdessen fressen wir ein paar Kilometer. Glücklicherweise habe ich die Regenklamotten nicht wieder weggepackt, denn schon bald erwischt uns der nächste Schauer - richtige Wechselbäder sind das heute. 

Eine "ordentliche" Himmelsrichtung kann man hier kaum einschlagen, man muss den landschaftlichen Gegebenheiten folgen, was ganz schöne Irrwege erzeugt.

Der Aufstieg zur Dalsnibba führt mitten in die Wolken. Das "beschlagfreie" Visier meines neuen Helms ist sofort beschlagen. Der Nebel ist so dicht, daß wir im Schritttempo der Straßenrandmarkierung durch die dicke Suppe entlang aller Kurven und Serpentinen folgen. Erst der Abstieg Richtung Geiranger lichtet den Nebel etwas. Dafür hängen wir jetzt hinter einem Reisebus, der bei jedem Gegenverkehr und in jeder Serpentine anhalten muss. Der Geiranger gewinnt heute kein Foto - er ist einfach nicht zu sehen. Nach der nächsten Bergkette müssten wir auf eine Fähre, aber eigentlich ist es auch Abend. Entlang des Fjords gibt es eine kleine Sackgasse nach Norddal, eine hübsches kleines Örtchen. Sie haben schöne Plätze entlang des Fjords angelegt, allerdings ist überall zelten verboten. Darum folgen wir einem Bach bis zum Ortsrand, wo es dann doch ein geeignetes Plätzchen gibt.


Und hier die Strecke: