Mittwoch, 10. Juni 2026

Kjenndalsbre

Aus Angst vor dem angekündigten Regen brechen wir bereits um 9:30 Uhr ohne Frühstück auf zum berühmten Trollstigen, der die letzten Jahre leider gesperrt war. Jetzt ist er wieder offen. Auch das Wetter spielt mit - auf dem Berg sinkt die Temperatur zwar unter 10 Grad, aber dafür bleibt der Regen aus. Bereits nach 3 km passieren wir den "richtigen", gut gefüllten Campingplatz, danach gibt es keine Zeltmöglichkeit mehr. Haben wir wieder alles richtig gemacht. 

7 km windet sich der Trollstigen in Serpentinen den Stigfossen hinauf - sehr beeindruckend und Spaß pur. Dann reisen wir über das Tafjordfjella Richtung Valldal, wobei uns Kurt wieder schöne Nebensträßchen anbietet. Leider hat er bei der Trackaufzeichnung geschlafen, die erste Stunde hat er nicht aufgenommen. Mittlerweile habe ich Regenkombi und Lenkerstulpen ausgepackt, was sehr gut ist, denn immer wieder regnet oder nieselt es jetzt. Die Fähre nach Stranda erreichen wir auf den Punkt genau, hinter uns schließt sich gleich die Schranke.


Am Geirangerfjord regnet es jetzt richtig und in Hellesylt am Anfang des Geirangerfjordes parkt mal wieder ein Hochhaus-Kreuzfahrtschiff. Unser heutiges Ziel ist das Brixdalsbreen, ein großer Gletscher. Irgendwie hab ich darauf keine Lust, denn zum Übernachten wird's da schwierig und kalt werden. Ich bin nicht gut drauf, sehr müde, schwindelig und einfach "neben der Kapp". Das ist auch Kurt, den Abstecher zum Ramnesfjellfossen vergißt er einfach! Zum Glück bemerke ich das bald und wir drehen um. Zum Glück, denn dieser Abstecher ist so wunderschön! Viele Kilometer folgen wir einem strahlend türkisblauen Gletschersee zum Kjenndalsbre. Dann wird das sowieso schon schmale, kurvige Sträßchen kostenpflichtig, ist nur noch 3/4-spurig und zu guter Letzt geschottert. Auf dem Rückweg begegnen uns zwei Busse - der erste passiert uns bei einer Ausweichstelle, aber der zweite ist echt ein Problem. In Millimeterarbeit zwängen wir uns aneinander vorbei!
Der Parkplatz liegt herrlich unterhalb des Gletschers, inmitten von vielen Wasserfällen und direkt am schäumenden weißblauen Gletscherfluss. Es ist eigentlich noch zu früh, um den Tag zu beschließen, aber hier ist es einfach imposant. Oh - kein Mobilfunksignal? Ich hab heut abend noch ein online-Seminar. Also ziehen wir doch wieder das Tal hinaus, bis wir - ganz frech - direkt gegenüber einem kostenpflichtigen Campingplatz an eine frisch gemähten unser Lager aufstellen. Wie sind immer noch am Ufer dieses herrlichen Bergsees!



Und hier die Strecke:

Dienstag, 9. Juni 2026

Vannufossen

Ich bin schon beim Kaffee und zusammenpacken, als 2 Angler eintreffen. Es dauert eine Weile, bis die gesamte Ausrüstung im Boot verstaut ist, dann schleichen sie sich mit einem elektrischen Außenbordmotor auf den See hinaus. Unser Aufbruch dauert lange, je älter man wird,  umso mehr muss man sich um seine Wehwehchen kümmern.
Der Wetterbericht kündigt Sonne und Bewölkung an, d.h. zur Vorsicht mit Regenjacke, aber die Hose darf im Gepäck bleiben. Bis morgen - da wird wieder Regen erwaertet. Ich würde das tatsächliche Wetter mit "hoher Luftfeuchtigkeit" bezeichnen, gelegentlich erwischt uns ein Regentröpfchen. 20 plus/minus 2 Grad sind heute angenehme Reisetemperaturen.

Mein Navi braucht einen Namen - wie wär's mit "Kurt"? Kurt findet heute bereits zum Einstieg ein kurzes Schottersträßchen, das uns an einem Übergang zwischen unserem und dem nächsten moorbraunen See über eine kleine Brücke führt. Bald schon geht's auf einem ziemlich holprigen, schmalen und unbefahrenen Asphaltsträßchen weiter. Lisl Vorderrad beginnt nun immer häufiger und stärker zu flattern, ihre Hufe sind ja auch schon ganz schön abgenutzt. Ob sie es wohl bis Aschbuch aushalten?
Zwischen hohen, aber rundlichen Bergen tingeln wir durch liebliche, grüne Täler und Auen. Es duftet nach frischem Gras und Blüten, glücklichen Kühen und Pferden oder manchmal auch nach Meer und Tang.
Kurt findet Wege nach genau unserem Geschmack: wenn es keine Schotterstraßen gibt, leitet er uns über abgelegene oder mittlere Nebenstraßen mit kaum Verkehr. Auch ein paar Fähren sind heute wieder abei, aber diesmal fährt sie uns jedesmal genau vor der Nase weg oder läßt uns nicht mehr einfahren. Na ja, die Wartezeiten bewegen sich zwischen 20 und 30 min, das können wir verkraften.

Den Vannufossen erreichen wir um die Mittagszeit. Es ist Europas höchster Wasserfall und der erste auf meiner Bucketliste an Wasserfällen. Nepalesen haben eine Treppe durch den Wald gebaut, der mehrere Aussichtspunkte auf den Wasserfall enthält. Angeblich braucht man 30 min bis zur obersten Plattform - nach dieser Zeit bin ich - total erschöpft - eben erst am untersten Punkt "Tappan" angekommen. In Motorradstiefeln und langer Unterhose bei sengender Hitze ist das nichts mehr für eine alte Frau! Mein Walkingstock, den ich zur Sicherheit dabei habe, hat seine Spitze verloren. Der Blick von hier aus ist auch schon imposant, beschließe ich und kehre um.

Im nahegelegenen Sundalsøra machen wir Mittagspause. Ich besuche extra den "Extra", weil ich dort meistens gutes Essen gefunden habe. Dieser hier ist jedoch leider extra schlecht bestückt, selbst der Pfandflaschenautomat ist außer Betrieb und die Toilette stockdunkel. Dafür gibt es am Eingang Wassermelone zum probieren - dort bediene ich mich umso mehr.
Auf einem geraden, langen und gut einsehbaren Stück möchten wir gerne einen Bus überholen, der uns schon einige Zeit mit Straßenstaub und Steichen berieselt hat. Als die Lisl beschleunigt und ausschert, blinkt er links und droht uns mit der Faust! Warum??? Keine Ahnung. Na ja, bei der nächsten Gelegentheit ist er dann trotzdem dran.

Weiter geht's - wieder auf netten kleinen Wegen, die Kurt für uns findet, bis nach Andalsnes. Hier beginnt bald der Trollstigen, eine der berühmtesten Serpentinenstraßen Norwegens. Das ist der Plan für morgen. Jetzt muß ich noch ein Zeltplätzchen finden und da ich Campingplätze möglichst meide, müssen wir schnell Ausschau halten. Weiter oben gibt es keine Campingmöglichkeit mehr. Ein kleines Schild weist auf auf ein paar Bauernhöfe hin. In der Ferne entdecken wir einen Feldweg, auf dem uns  gerade ein Traktor entgegenkommt. Um dorthin zu gelangen, müssen wir mitten durch ein Gehöft fahren, da aber nirgends ein Hinweis auf einen Privatweg zu sehen ist, fahren wir mutig weiter. Der Weg ist sehr sandig und tiefgründig, also Vorsicht! Die Einfahrt zu einer ungemähten Wiese lädt ein. Der Bauerr fährt alle paar Minuten mit dem Güllefass hier vorbei und schaut bitterböse, sagt aber nichts. Also baue ich entsprechend dem Jedermannsrecht mein Zelt auf. Kurz darauf kommt ein jüngerer Mann und schaut nach dem Rechten: was ich hier mache? Ah, nur einmal übernachen?`Nicht IN der Wiese, nur in der Einfahrt. Kein offenes Feuer und kein Abfall - natürlich! Und hoffentlich kommen nicht noch weiter 20 Kumpels zum Zelten. Aber nein! Na gut, dann darf ich bleiben und der Neffe des Güllbauern ist zufrieden.

Schwarze Wolken sammeln sich, Wind kommt auf, der Wetterbericht kündigt in einer Stunde Regen an. Das scheint auch den Bauern Druck zu machen - Maschinen und Traktoren laufen auf Hochtouren.


Und hier die Strecke:

Montag, 8. Juni 2026

Wechselbäder

Zu christlicher Zeit beschließe ich, aufzustehen. Es hat aufgehört zu regnen aber meine Sachen sind noch lange nicht trocken. Handschuhe und Hose triefen immer noch - die schwachbrüstige Heizung ist halt kein Trockner. Bis zur Fähre sind es nur 15 km. Die Lisl scheint in Ordnung, alles funktioniert und nichts riehcht mehr verschmort. Alles gut. Wir kommen am Terminal an, als das Schiff gerade einläuft. Aber ich habe mich im Fahrplan verguckt - die Fähre bedient erst ene andere Strecke bevor sie uns 20 min später abholt. Die Navi-Halterung lockert sich und mag nicht mehr bleiben, wo ich sie gerne hätte. Ein bisschen schrauben am Straßenrand und letztendlich leigt das Telefon schief, aber die Route ist gut sichtbar; ich muss halt nur ein wenig schief gucken.

Ein Schottersträßchen! Die Vegetation ist hier schon ein Stück weiter, die Wiesen sind schon gemäht, die Blütenpracht ist deutlich farbiger. Etwa 60 km wird diese Strecke nördlich des Trondheimfjords lang sein, bevor wir wieder auf eine größere Straße gelangen. Der Untergrund ist erdig, aber frisch geschottert. Mit einspurigen Fahrzeugen sollte man da vorsichtig sein, die rutschen leicht mal weg. Lisl Vorderreifen kratzt auch schon heftig an der Profilgrenze. Aber wir haben ja Zeit und müssen uns nichts mehr beweisen. Gedanklich stellen wir uns auf eine gute Stunde Schotterspaß ein - bis wir an die Gemeindegrenze kommen. Ab hier gibt's wieder Asphalt, anscheinend hat man hier mehr Geld. Na dann genießen wir halt phantastische, einsame Kurven durch die grünen Wiesen und Wälder.

Das Wetter? Ja, das schlägt heute mal wieder Kapriolen. Morgens kühl und bedeckt aber trocken. Gegen Mittag klart es auf und die Sonne heizt uns ordentlich ein. In Bjugn setze ich mich mit kaltem Cola und Softeis ins Freie und telefoniere ein Weilchen mit Wayne in England. Gerade als die Pause beendet ist, beginnt es zu tröpfeln. Ich beschließe, daß dies nur ein "örtlicher Schauer" sein wird und verweigere die Regenhose. Je nachdem, welche Kurve wir gerade hinter uns bringen, gibt mir der Himmel recht oder auch nicht. Am Fährhafen in Brekstad kübelt es wieder und ich muss die Regenhose ausgraben. Nirgends ein Aufenthaltsraum oder ein Dach zum unterstellen...oh doch, die Mülleimer stehen im Trockenen. Da ist auch noch Platz zum Regenzeug anziehen. Kaum am anderen Ufer angekommen trocknet die Straße bereits ab und bald braten wir wieder in der Sonne. Da habe ich ein Déjà-vu, denn als wir das letzte mal diesen Fjord überquert haben, war der Himmel auch in schwarz und blau geteilt.

Die Pause hat gut getan - frischer und konzentrierter geht die Reise weiter. Vor Orkanger biegen wir wieder auf ein Nebensträßchen ab, das Navi bietet uns zum Schluß des heutigen Tages noch ein Kurvenschmankerl an. Ziel ist der Hoston-See, wo wir hoffentlich ein romantisches Plätzchen finden. Hm. Alles Steilküste. Die Route führt noch ein Weilchen am See entlang und wechselt dann auf eine größere Straße mit ebenfalls wenig Verkehr. Hier sind wir direkt am Seeufer. Aber natürlich alles verbaut, robotgemähte Rasenflächen und am Rastplatz Campingverbot. Schade. Aber am Ortsausgang werden wir fündig: ein Sportgelände mit Sporthalle, Steg und ein paar Booten. Ein großer Schotterparkplatz und 3 ausgewiesene, aber freie WoMo-Plätze. Und Sitzgarnituren. Super!

Als alles soweit hergerichtet und zum Trocknen aufgehängt ist und ich es mir am Tisch gemütlich machen will, kommt ein kräftiger, kalter Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Also schnell alles regendicht machen. Das Bad im See fällt aus (wär mir eh zu kalt gewesen).

Und hier die Strecke:

Sonntag, 7. Juni 2026

Fähren...

Kaum war die Sonne gestern abend hinter dem Berg verschwunden, wurde es auf unseren 340 m Höhe lausig kalt. So kalt, daß sich auf dem Zelt bald Tau niederschlug. Trotzdem habe ich fantastisch gut geschlafen und möchte - nach einem kurzen Aufwacher um 6:30 Uhr - eigentlich noch ein wenig weiterschlafen, aber gerade da fängt es leicht an zu nieseln. Ich möchte ungern im für erst 9 Uhr angesagten Regen einpacken, darum brechen wir jetzt Hals über Kopf auf. Ohne Morgentoilette oder Kaffee. Da die Fähre erst nach 9 Uhr ablegt, haben wir dort massenhaft Zeit und finden vielleicht einen Frühstücksplatz. Nö. Pech gehabt. Der Tankstellenshop macht erst um Mittag auf und ein Cafe am Hafen hat auch noch geshlossen. Immerhin bietet es ein kleines Vordach, wo ich trocken sitzen bzw. ein wenig Gymnastik machen kann. Oh je - mein Schwindel ist wieder da, ziemlich heftig!
Während der Wartezeit regnet es sich ein. Schnürlregen. Der Wetterbericht hat ja einen naßen Tag angekündigt, darum ist eingentlich alles regendicht. Lenkerstulpen, Überzeug, Packsäcke, Tankrucksack und Stiefel sollten mich gut schützen. Während der Überfahrt kann ich mich im Salon aufhalten, aber danach werden wir bald schon ziemlich naß. Irgendwie ist meine Ausrüstung wohl nicht mehr tasendprozentig dicht. Nasse Hände machen mir nicht viel aus, ich habe ja Heizgriffe. Der nasse Hintern ist schon unangenehmer. Und dann fangen auch die Stiefel an, innen feucht zu werden. Grau in grau - wir müssen wohl durch das Regengebiet durchtauchen. Das nimmt ein uns entgegenkommendes Wohnmobil anscheinend wörtlich und schleudert uns bei seiner Pfützendurchfahrt eine wahre Wasserwand entgegen! Die hat gesessen! 12 Grad Kälte, verkündet mein Thermometer. Brrr.

Heute ist zum Glück "Fährtag", d.h. eigentlich hüpfen wir ständig von einer Fähre zur nächsten. Manche können wir sofort entern, auf andere müssen wir zum Teil stundenlang warten. In der Wartepause beim Brillentrocknen stelle ich fest, dass einer der Nasenstützen abebrochen ist. Mist! Selbst einer der Fähren zickt, die Ladeklappe schließt nicht vollständig. Wir setzen trotzdem über. Und ein französisches Päärchen läßt beim einparken hinter mir sein Motorrad fallen. 
Nicht nur ich bin heut nicht gut drauf und sehr in mich gekehrt, auch mein Navi schläft gelegentlich einfach ein und zeichnet den Track nicht auf. Leider merke ich das manchmal erst spät. Da muss ich heute Abend wohl von Hand nacharbeiten. Zum Glück ist die Lisl völlig unbeeindruckt von den Wassermassen, sie paßt gut auf, auch in Baustellen und bei Schlaglöchern. Zuverlässig rollt und rollt und rollt sie.


"Fahren Sie weiter, es gibt nichts zu sehen", das stimmt heute wirklich. Das winzige bisschen Landschaft, das zu sehen ist, reißt uns nicht vom Hocker. Fast wie "zu Hause" in Deutschland: grüne Wiesen, flach bis hügelig, ein wenig Wald. Alles andere ist in den Wolken verschwunden. Schon ab 16 Uhr halten wir Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ein Dach über dem Kopf will ich unbedingt haben. Rastplätze mit überdachten Stellen gibt es keine. "Bunk a biker" hat leider auch abgesagt. Da muss ich wohl an eine Hütte oder ein Hotel denken. Hotelzimmer fangen bei 120 € an. Direkt am nächsten Hafen liegt ein Campingplatz mit Hütten - die Kleinste für ca. 60 €. Die ist unsere! Wir sind ja schließlich schon alte Mädels und dürfen uns auch mal was gönnen. Mit mehr Personen wäre es natürlich günstiger - bis zu 4 Betten sind nutzbar. Als wir auf dem Campingplatz anhalten, riecht es unangenehm verbrannt. Kupplung oder Bremsen? Eher nicht. Der Geruch ist auch noch da, als die Lisl vor der Hütte steht. Riecht eher wie verbranntes Kabel. Ein Kabelbrand? Hoffentlich nicht! Es ist nichts zu sehen und anscheinend funktioniert auch alles soweit. Morgen werden wir sehen (oder riechen).
Anzug, Schuhe und Packsäcke bleiben erstmal auf der überdachten Veranda vor der Hütte, bis das gröbste Wasser abgetropft ist. Erst dann hole ich sie zum Trocknen in die Hütte. Die Lisl muss leider wieder mal draußen aushalten.
Eine heiße Dusche tut jetzt gut - nicht gegen Dreck, sondern gegen Kälte. Ich bleibe allerdings nicht ganz so lange drin, wie in meinem Badezuber. Etwas aufgewärmt geht's zurück in die immer noch kühle Hütte zu einer heißen Tasse Tee. Der Heizkörper gibt sein Bestes, was mir aber heute nicht gut genug ist. Das Abendessen muss noch etwas warten, die Kochplatte kämpft und kämpft... Das Laptop hat keinen Saft mehr, auch sein Ladekabel streikt. Und das große Batteriepack zum nachladen aller möglichen Geräte oder für einen Fremdstart von Lisl gedacht, ist leer! Grundlos.

So einen Tag braucht keiner. Kann ich ihn ausradieren?

Und hier die Strecke:

Samstag, 6. Juni 2026

Brücken, Tunnel, Fähren

Die regenreiche Nacht hab ich im Etappenschlaf verbracht, während sich die Lisl vielleicht über eine Dusche gefreut hat? Auf jeden Fall scheint am Morgen die Sonne und das Zelt ist bereits fast trocken. Ganz genmütlich und genußvoll laufen Morgentoilette, Zeltabbau und Frühstück parallel ab, bis wir um etwa halb elf aufbrechen. Zuerst geht es nochmal kurz zurück zur Saltstraumenbücke, die Wirbel sollten jetzt gut zu sehen sein. Da man auf der Brücke nicht anhalten kann / darf, wartet die Lisl am Fuß der Brücke und ich laufe bis obenhin. Ganz schön hoch. Und ganz schön spannend, diese Strudel! Mittendrín, direkt unter der Brücke ist eine kleine, bewachsene Felsinsel, auf der es von Möwen nur so wimmelt. Sie brüten praktisch in der Speisekammer. Bei meiner Rückkehr wartet schon die zweite Fotosession für meine berühmte Lisl, obwohl wir erst den zweiten Tag unterwegs sind!

Die Wettervorhersage ist vielversprechend und bewahrheitet sich auch im Lauf des Tages. Es bleibt größtenteils sonnig und trocken. Die meisten Berggipfel verstecken sich jedoch leider in weißen oder grauen Wolken. Nicht ganz so warm (15-20 Grad)...
Hier in Nordnorwegen ist jetzt alles grün und blüht, allerdings fast ausschließlich Löwenzahn. Die Luft ist frisch, aber die Sonne hat Kraft. Sie schmilzt die noch vorhandenen Schneefelder ab und verwandelt die Felsrinnen in gischtende Sturzbäche oder Wasserfälle. Der Wetterdienst warnt sogar vor Hochwasser.

Mein Navi führt mich zum Wegpunkt "Stortind", Norwegens höchstem Berg, den wir sogar von unserer Heimat aus sehen können. Kurz vor dem Storviktunnel zweigt ein Nebensträßchen ab, das in die Berge führt. Es scheint kaum noch benutzt zu werden, eine offene Scharnke verkündet "Nutzung auf eingene Gefahr". Kein Wunder, die Straße wurde schon lange nicht mehr instandgehalten. Wunderbar. Wir zockeln an einem Bergsee entlang und genießen die Einsamkeit, bis unerwartet das Ende da ist. Nur noch wenden ist möglich, nur ein unzugänglicher Wanderweg führt weiter. Das Navi behauptet allerdings, das wäre eine befahrbare Straße. Und dann finde ich heraus, daß wir gar nicht am Stortind sind, den haben wor vor vielen Kilometern verpaßt. Da muß ich wohl beim Wegpunkt setzen irgend einen Mist gebaut haben. Schade. Aber vielleicht klappt es ja auf dem Rückweg.

Zwischen steilen Bergen, an engen Fjorden entlang trödeln wir genüsslich dahin und meistern herausfordernde Kurven. Die Lisl schnurrt zufrieden vor sich hin und auch meine Gedanken gehen heute kaum spazieren. Wir sind einfach hier, lassen uns treiben und freuen uns über die Schönheit!

Nun verschlingt uns der lange, dunkle und kalte Svartissentunnel. Die Haupt-Nord-Südverbindung in Norwegen, die E6, führt über den Svartissengletscher, aber wir bevorzugen die abwechlungsreiche "17-er" (Fylkesvei 17), die uns am Tunnelausgang den Auslauf des Gletschers präsentiert. Kleine Boote verkehren von hier aus auf die andere Seite, in die Nähe des Gletschers. Auch ein paar größere Schiffe zeigen ihren Passagieren die beeindruckende Aussicht. Ob wir wohl mal mit Waynes Boot hierher kommen? Die Arktis haben wir nun verlassen - sind wir jetzt schon im "sonnigen Süden"?

Es ist 18 Uhr. Wir sind kurz vor Nesna (ca. 20 min), von der aus die nächste Fähre angesagt ist. Das ist ein guter Zeitpunkt zum abschließen eines Fahrtages. Ich weiß, daß es hier einen schönen Rastplatz mit Toiletten gibt, direkt oben auf der Fjordkante mit herrlichem Ausblick. Er ist zwar viel mit Wohnmobilen besiedelt, aber dieses Risiko nehme ich gerne in Kauf. Aber - oh je, der Platz ist gesperrt. Großbaustelle. Die Toilettenhäuschen sind verschwunden, große Baumaschinen stehen herum, Erd- und Schotterhäufen sind über den Platz verteilt. Dahinter gibt es aber noch ein kleines Stückchen Erdweg bis zu ein paar Baucontainern. Dort steht auch das Vesperbänkchen und es gibt ausreichend ebenen Platz für mein Zelt. Den aufgerissenen Platz meistert die Lisl leicht und so haben wir wohl heute Nacht unsere Ruhe. Ein paar Touristen finden den Weg zu Fuß hierher, aber die bleiben nicht. Und da morgen Sonntag ist, stören wir auch nicht die Baustelle (oder die uns).



Und hier die Strecke:

Freitag, 5. Juni 2026

Ofoten - Lofoten

Von den Ofoten (meiner Heimat) zu den bekannten Lofoten ist es nicht weit - in 30 min fährt man über die Tjeldsundbrücke auf die größte der Lofoten-Inseln, Hæmarøy. Ziel für heute ist Moskenes, am südlichen Ende der Inselgruppe.

9:45 - es kann losgehen! Oder doch nicht? Ein Handy-Ladekabel lädt nicht. Na ja, ich hab ja noch eines dabei. Raus aus der Garage, der Stecker vom zweiten Ladekabel bricht ab. Das geht ja gut los!

Herrliches Wetter, 20 Grad, nur ein dünner Pullover unter der Jacke. Allerdings habe ich auch die Regenjacke an, die schützt vor Wind und Kälte und am Nachmittag / Abend ist evt. leichter Regen angesagt. Im Rückblick ist das der perfekte Dresscode.
Zum Einstieg nehmen wir den Meldalsvei über Tårstad, das ist eine Schotterstraße. Heute ist hier sehr viel Fußvolk unterwegs, das Militär veranstaltet anscheinend einen Marathon mit schweren Rucksäcken. Arme Jungs und Mädels.

Von den Ofoten zum "L" (Lofoten) ist es nur eine halbe Stunde. Mehr oder weniger freiwillig zockeln wir dann mit 50 bis 60 km/h die Fjorde entlang. Ein erster großer Abschnitt besteht fast nur aus Baustelle, denn hier wird seit einiger Zeit schon der Hålogalandvei gebaut, der 2028 fertig werden soll. Das wird die Touristen-Rennstrecke auf die Lofoten. Ein bisschen graust mir davor - hoffentlich bleiben die alten, kurvigen Straßen bestehen. Hier zieht die Lisl sicher und sauber ihre Linie durch alle Biegungen. Perfekt.
Der erste von vielen Tunneln, die uns diese phantastische Landschaft vorenthalten, ist 6,5 km lang. Die dort herrschenden 16 Grad lassen mich frösteln. Es herrscht reger Verkehr, aber noch müssen wir kaum in einer Schlange fahren. Alledings können wir darum und mangels passender Ausweichstellen selten einen Fotostopp einlegen. So kann ich die Schönheit der krassen Berggipfel, der türkisblauen Fjorde, weißen Sandstrände und hier und da aus dem Wasser lugenden felsigen Nadelspitzen oder Kugelköpfe nur mit den Augen inhalieren. Ja, meditieren auf der Lisl während der schaukelnden Fahrt ist möglich.

Gegen Mittag kommt ein Wind auf, der dunkle Wolken mit sich bringt. Meine Navigations-App findet gelegentlich ein herrlich kurviges, abgelegenes kleines Sträßchen, Schneefelder an den steilen Berghängen reichen mancherorts noch fast bis ins Tal. Wir möchten in Moskenes gerne die Fähre nach Bodø nehmen, eine 3 1/4 h Tour. Leider habe ich sehr spät nach dem Fahrplan geschaut und festgestellt, daß wir sie nur mit Müh und Not noch erwischen können. Das nächste Schiff geht erst 4 h später und erreicht Bodø gegen Mitternacht. Ungüstig. Ich möchte diesmal gerne am Saltstraumen übernachten, der etwa 30 min von der Stadt entfernt liegt. Aber wir liegen gut in der Zeit, vielleicht erreichen wir das Boot doch noch? Straßensperre! 30 km vor Moskenes. Der nächste, große Tunnel ist gerade eine Baustelle, er darf nur mit einem Follow me passiert werden. Nächste Durchfahrt ist in einer Stunde, sagt mir der Straßenwächter. Immerhin habe ich jetzt Zeit für eine kleine Pause, ein Vesper und die Entwicklung eines Plan B. In Moskenes übernachten? Dann muss ich um 8 Uhr früh an der Fähre sein! Mag ich nicht. Oder die späte Tour machen? Das wäre machbar, denn ich bin ja eine Nachteule und wir haben Mitternachtsonne. Im Tunnel ist es stockdunkel und klatschnaß. Die Straße ist mit Schlgalöchern gespickt. Blind folgen wir dem Leitfahrzeug.
Als es endlich losgeht, sagt mein Navi, daß wir das Schiff um ca. 20 min verpassen. Ich halte Ausschau auf's Meer, ob ich es irgendwo schon sichten kann, aber nein. Als wir um die letzte Ecke biegen, liegt es da noch im Hafen! Ob es wohl gewartet hat? Motorräder finden immer einen Platz - auch ohne gebuchtes Ticket. Ich muss nur meinen Namen und Geburtsdatum nennen, alles andere macht wohl irgendein Computer. Bis jetzt hab ich nichts bezahlt. Kaum ist die Lisl vertäut, schließt sich auch schon die Ladeluke und es geht los - das war Glück!

Während der Überfahrt wird es immer trüber, bis es schließlich in Strömen regnet. Sobald sich die Türen zum Parkdeck öffnen, eile ich, um die Regenklamotten auszupacken. Glücklicherweise hat es bei der Ankunft in Bodø fast aufgehört zu regnen, nur die Straße ist noch nass. Von hier aus sind es nur noch 30 km bis zu meinem geplanten  Übernachtungsplatz am berühmten Saltstraumen.

Ach ja, heute abend ist ja das "britische Quiz" - ein Onlinemeeting mit Wayne und seinen Freunden und Familie. Ich bin noch unterwegs und kann darum zwar nicht mitraten, aber ich kann mich einwählen und das Team kann über die Kamera mitfahren und mich beim Zeltaufbau beobachten.





Und hier die Strecke:

Donnerstag, 4. Juni 2026

Kann losgehen

Ich erwarte noch einige Bestellungen deren Ankunft bis 9.Juni geplant sind. Ausnahmsweise ist die Post diemal schneller als der Blitz und alle Päckchen sind schon heute angekommen. Statt zu Hause auf die Möbel aufzupassen treibe ich mich lieber auf der Straße rum. Hoffentlich hält die Lisl dicht genug bis Aschbuch - das Getriebe leckt wieder.
Meine Hütte muss ich natürlich "einsommern", d.h. Strom und Wasser abstellen, Toilette und Kühlschrank leeren, Badestamp leeren, reinigen und abbauen.

Die paar Tage Zeitgewinn geben mir die Möglichkeit, doch die "Wasserfallroute" anstatt der "Schweden-Rennbahn" zu nehmen. Wir werden also Norwegen weiter erkunden! Ab morgen....